DGMK-Bericht
538
MINERALÖLPRODUKTE
Erste Hilfe Maßnahmen,
medizinisch-toxikologische
Daten und Fachinformationen
für Ärzte
(Übersetzung des CONCAWE-Report
No. 1/97
Petroleum products - first aid emergency
and medical advice)
Kurzfassung:
Dieser Bericht enthält für Mineralölprodukte allgemein gültige Informationen über Erste Hilfe Maßnahmen, medizinisch-toxikologische Daten sowie Fachinformationen für Ärzte.
Es werden Vorsichtsmaßnahmen beschrieben zum Schutz von Personen, die in der Rettung von Unfallopfern und in der Notfallbehandlung tätig sind.
Die einzelnen Produkte jeder Produktgruppe und ihre Synonyme werden aufgeführt, eine kurze technische Beschreibung sowie Hinweise über Brennbarkeit und Gesundheitsgefährdung gegeben. Maßnahmen nach Kontakt mit dieser Produkten und spezielle Verhaltensweisen bei der Behandlung und Versorgung von Unfallopfern werden beschrieben.
Außerdem wird auf
die wichtigsten technischen und toxikologischen Eigenschaften eingegangen,
die für Erstversorgung und Weiterbehandlung von Unfallopfern von Bedeutung
sind.
| Berichtsumfang: | 48 Seiten |
| Bearbeiter: | Dr. H. H. Fries, Hamburg |
| Dr. W. Paulsen, Hamburg Mitglieder der CONCAWE Medical Subgroup | |
| Dr. J. Winkelmann, Hamburg | |
| Projektkoordination: | Dr. H. Künne, Hamburg |
| DGMK-Fachausschuß: | Arbeitsmedizin, Umweltmedizin, Toxikologie, Industriehygiene |
| DGMK-Fachbereich | Verarbeitung und Anwendung |
| Veröffentlichung: | Hamburg, Januar 1998 |

Deutsche Wissenschaftliche
Gesellschaft
für Erdöl, Erdgas
und Kohle e.V.
DGMK-Report
538
Translation of the
CONCAWE-Report No. 1/97:
Petroleum products
- first aid emergency and
medical advice
Abstract:
This report provides informations
on first aid measures, medical toxicology data and professional advice
to clinicians on petroleum products. Precautions are described for the
protection of rescue and emergency personnel. Petroleum products and their
synonyms are given, together with a brief technical description as well
as comments on the flammability and health aspects. Appropriate advice
is given relating to accidental contact with these products. Specific advice
to doctors on the treatment and care of casualties is also given.
| Length of report: | 48 pages |
| Authors: | Dr. H. H. Fries, Hamburg |
| Dr. W. Paulsen, Hamburg Members of CONCAWE Medical Subgroup | |
| Dr. J. Winkelmann | |
| Project Coordination: | Dr. H. Künne, Hamburg |
| DGMK-Committee: | Occupational Medicine, Environmental Medicine, Toxicology, Industrial Hygiene |
| DGMK-Division: | Refining and Product Application |
| Published: | Hamburg, January 1998 |
Inhalt, Einleitung und Übersicht
Abschnitt 1: Erste Hilfe / Notfallhinweise
/ Schema
Abschnitt 2: Zusätzliche Informationen
/ Schema
Anmerkung der Bearbeiter
Die Bearbeiter waren bemüht, die englische
Fassung des CONCAWE-Report
No. 1/97 so genau wie sprachlich möglich
ins Deutsche zu übersetzen.
Zusätzlich wurde im Abschnitt 2 in
das Kapitel
Schwefelwasserstoff (Toxikologie) die aktuelle
deutschsprachige Literatur eingearbeitet.
Einleitung
1983 hat Concawe "Hinweise zum sicheren Umgang mit Mineralölprodukten, Erste-Hilfe-Maßnahmen, medizinisch-toxikologische Daten und Fachinformationen für Ärzte" (Reportnummer. 2/83) veröffentlicht.
Diese Informationen über Erste-Hilfe / Notfall-Maßnahmen bei Unglücksfällen mit Mineralölprodukten sind jetzt überarbeitet worden.
Seit der Veröffentlichung des Concawe Reports 2/83 sind für die Europäische Union die Dangerous Substances Directive und die Preparations Directive eingeführt worden.
Auf der Grundlage dieser EU-Richtlinien sind die nationalen Giftinformationszentren und die Personen, die in der Notfallrettung tätig sind, über Maßnahmen zu unterrichten, die bei Notfällen infolge nicht bestimmungsgemäßer Exposition gegenüber Mineralölprodukten empfohlen werden (67/548/EEC und 88/379/EEC).
Dieser Bericht gibt Informationen über Mineralölprodukte, die typischerweise von Mineralölgesellschaften zur Verwendung an Kraftfahrzeugen oder zur Verwendungen in anderen Bereichen verkauft werden.
Dieser Bericht ist sowohl für Erst-Helfer wie für medizinisches Fachpersonal gedacht, das mit der anschließenden Weiterbehandlung von Unfallopfern betraut ist.
Übersicht
Die Informationen dieses Berichts sind für Personen gedacht, die in der Notfallversorgung und Weiterbehandlung von solchen Unfallopfern tätig sind, die nicht bestimmungsgemäß mit einem Produkt der Mineralölindustrie in Berührung gekommen sind.
Der Bericht wendet sich an Personen, die bei einem Unfall Erste-Hilfe leisten, und an Ärzte, die die Weiterbehandlung von Unfallopfern übernehmen.
Der Bericht behandelt Produkte, die für die Anwendung an Kraftfahrzeugen verkauft werden, wie z.B. Frostschutzmittel, Scheibenwaschflüssigkeit, Bremsflüssigkeit und Hydrauliköle.
Es werden auch Informationen über Unfälle gegeben, die in anderen Bereichen beim Umgang mit Mineralölprodukten vorkommen können.
Solche Notfälle können Verbrennungen sein oder Verletzungen, die dadurch entstehen, daß Flüssigkeiten aus Hochdruckgeräten tief unter die Haut gespritzt werden.
Der Bericht ist in zwei Abschnitte gegliedert:
Der erste Abschnitt enthält Erste-Hilfe- und Notfallhinweise für jede Produktgruppe sowie Informationen über Verbrennungen, Aspiration und Hochdruckinjektionen unter die Haut. Er enthält auch Vorsichtsmaßnahmen und Warnhinweise zum Schutz für die Personen, die in der Rettung von Unfallopfern oder in der Notfallbehandlung tätig sind.
Der zweite Abschnitt enthält eine kurze Zusammenfassung der wichtigen Eigenschaften der Produkte und gibt Informationen über ihre Toxizität hinsichtlich Zusammensetzung und Additive. Es werden die wichtigsten toxikologischen Eigenschaften beschrieben, die für die Erstversorgung und für die Weiterbehandlung der Unfallopfer von Bedeutung sind.
Da dieser Bericht darauf ausgerichtet ist, Hinweise für die Erste-Hilfe und für Notfälle zu geben, werden in den zusätzlichen Informationen nur solche Effekte beschrieben, die Folge einer akuten Einwirkung sein können.
Folgen chronischer oder wiederholter Einwirkungen sind in diesem Bericht nicht berücksichtigt.
Um das Auffinden von Produkten zu erleichtern, sind die Synonyme der erwähnten Produkte als Index alphabetisch aufgelistet.
Sofern dadurch zusätzliche Informationen gegeben werden können, sind Literaturhinweise als weitere Hilfe für den Benutzer auf der jeweiligen Seite vermerkt.
Abschnitt 1: Erste Hilfe/Notfallhinweise
Die folgenden Seiten enthalten Informationen zur Ersten-Hilfe- und Notfallbehandlung nach dem unten aufgeführten Schema.
Name des Produkts
Synonyme: Andere Namen,auch englische, unter denen das Produkt bekannt ist. Handelsnamen sind nicht aufgeführt.
Beschreibung: Eine einfache Beschreibung, ausreichend, um eine allgemeine Identifizierung des Produkts zu ermöglichen.
Notfallbehandlung
Warnhinweis: Hier
werden nur dann Hinweise gegeben, wenn Ersthelfer oder Rettungsmannschaften
selbst in eine gefährliche Situation kommen können.
| Einatmen | |
| Verschlucken | |
| Aspiration | Erste-Hilfe/Notfallhinweise für jede der möglichen Einwirkungen |
| Hautkontakt | |
| Augenkontakt |
Zusätzlich finden sich in diesem Abschnitt Erste-Hilfe-Maßnahmen bei
Verbrennungen und
Besonderheiten, die sich in Deutschland aufgrund der Zusammensetzung eines Produktes, eines Zusatzes (Additives) oder durch besondere gesetzliche Bestimmungen oder Therapieempfehlung
ergeben, sind als Hinweis D gekennzeichnet.
Synonyme: Aromatische Prozeßöle, Maschinenölextrakte, Prozeßöle, Solventextrakte
Beschreibung: Hochviskose
bis leicht flüssige, brennbare Mischung von Kohlenwasserstoffen, bernsteinfarben
bis
schwarz, hochsiedend, nicht flüchtig.
Notfallbehandlung
Warnhinweis: Verunreinigter Boden ist glatt und rutschig.
Einatmen: Nicht wahrscheinlich;
sollte es dennoch geschehen, Betroffene an die frische Luft bringen.
Tritt nicht umgehend Erholung ein: Ärztliche Hilfe veranlassen.
Verschlucken: KEIN Erbrechen auslösen, um eine Aspiration in die Lungen zu vermeiden. Ärztliche Hilfe veranlassen.
Aspiration: Die hohe
Viskosität dieser Öle erschwert eine Aspiration in die Lungen.
Beim Erbrechen verschluckter
Prozeßöle kann es jedoch zu einer Aspiration kommen. Bei jedem
Verdacht einer Aspiration ärztliche
Hilfe veranlassen.
Hautkontakt: Kontaminierte
Kleidung entfernen. Die Haut sorgfältig mit Wasser und Seife/Waschlotion
reinigen.
Keine Lösemittel (Solvents) zum Hautreinigen verwenden.
Augenkontakt: Sofort mit reichlich Wasser spülen. Wenn die Reizung andauert, augenärztliche Hilfe veranlassen.
Beschreibung: Ungewolltes Eindringen von Flüssigkeiten in die Lungen. Dieses kann direkt oder beim Erbrechen geschehen. Die Aspiration von Mineralölprodukten erkennt man aufgrund des Geschehens, des typischen Geruchs von Kohlenwasserstoffen in der Atemluft, der typischen Zeichen des Erbrechens oder der Symptome wie Atemnot oder Husten.
Aspiration von Flüssigkeiten
geringer Viskosität ist stets ein ernst zu nehmendes Ereignis.
Es besteht die Gefahr schwerer
Gesundheitsschäden mit Todesfolge.
Notfallbehandlung
Wenn die Person bei Bewußtsein
ist und atmet:
- halb aufrecht hinsetzen
- sofort und in jedem Fall
- auch bei kleinsten Mengen - ärztliche Hilfe veranlassen.
Wenn die Person bewußtlos
ist und atmet:
- in die stabile Seitenlage
legen
- sofort und in jedem Fall
ärztliche Hilfe veranlassen.
Wenn die Person bewußtlos
ist und nicht atmet:
- Atemspende, eventuell
externe Herzmassage
- sofort und in jedem Fall
ärztliche Hilfe veranlassen.
KEIN Erbrechen auslösen!
Nichts zu trinken geben !
Synonyme: Super Benzin,
Super Benzin plus, Gasolin, Ottokraftstoff, Flugbenzin; Aviation gasoline,
AVGAS,
Petrol, MOGAS, motor gasoline, motor spirit, naphtha, premium unleaded,
super unleaded.
Beschreibung: Benzin
ist die allgemeine Bezeichnung für schnell verdunstende, leicht brennbare,
dünnflüssige
Kraftstoffe mit einem charakteristischen Geruch. Benzin ist entweder
farblos,
leicht bernsteinfarben
oder eingefärbt.
Notfallbehandlung
Warnhinweis:
Benzine verdunsten bei normaler Umgebungstemperatur und sind leicht entflammbar.
Die Dämpfe bilden
mit Luft hochexplosive Gemische. Bevor mit der Rettung von Unfallopfern
begonnen wird, alle möglichen
Zündquellen ausschalten. Die Dämpfe sind schwerer als Luft und
können über größere Entfernungen zu
entlegenen Zündquellen gelangen. Bevor mit Benzin durchtränkte
Kleidung entfernt wird, ist sie mit Wasser
zu durch feuchten, um eine Zündung durch Funkenbildung infolge elektrostatischer
Aufladung zu vermeiden.
Auf ausreichend gute Ventilation und atembare Luft achten oder Atemschutz
anlegen.
Inhalation: Betroffene
an die frische Luft bringen.
Wenn die Betroffenen nicht atmen: Atemspende.
Wenn die Betroffenen atmen, aber bewußtlos sind: Stabile Seitenlage,
wenn notwendig externe Herzmassage.
Sofort ärztliche Hilfe veranlassen.
Verschlucken: KEIN Erbrechen auslösen. Sofort ärztliche Hilfe veranlassen.
Aspiration: Bei jedem Verdacht sofort ärztliche Hilfe veranlassen ( siehe auch Kapitel Aspiration Seite 5).
Hautkontakt: Durchtränkte
Kleidung vor dem Ausziehen mit Wasser durchfeuchten, um Funkenbildung durch
elektrostatische Aufladung zu vermeiden. Haut sorgfältig mit Wasser
und Seife/Waschlotion reinigen.
Augenkontakt: Sorgfältig mit viel Wasser spülen. Wenn die Reizung andauert, augenärztliche Hilfe veranlassen.
Synonyme: Mit Mineralien
wie Sand, Stein oder anderen Füllstoffen gemischtes Bitumen wird als
Asphalt bezeichnet.
In den USA wird reines Bitumen Asphalt genannt.
Hinweis D: In der ehemaligen DDR wurde mitunter die Bezeichnung Bitumen für Asphalt verwendet.
Beschreibung: Bitumen
ist ein schwarzes oder dunkelbraunes, festes bis halbfestes, thermoplastisches
Material.
Es verdunstet nicht bei üblichen Umgebungstemperaturen.
Notfallbehandlung
Warnhinweis: In
Vorratstanks kann sich über dem Bitumen Schwefelwasserstoff in gefährlicher
Konzentration
ansammeln. Deswegen sind Sicherheitsmaßnahmen zu beachten, bevor
Behälter betreten werden,
die heißes Bitumen enthalten oder enthielten.
Einatmen: Einatmen
von Bitumen ist praktisch unmöglich.
Bei Reizungen der oberen Atemwege durch Dämpfe, Nebel oder Rauch:
Betroffene Person an die frische Luft bringen.
Wenn der Verdacht auf eine Schwefelwasserstoffvergiftung besteht, Notfallbehandlung
(Seite 19) anwenden.
Verschlucken: Entfällt
Aspiration: Entfällt
Hautkontakt: Heißes
Bitumen nicht von der Haut entfernen.
Der betroffene Körperteil ist sofort unter fließendem kaltem
Wasser bis zum Erkalten des Bitumens zu kühlen.
Wenn das Bitumen eine Gliedmaße völlig umschließt, muß
das Bitumen gespalten werden, um eine
Abschnürung (Tourniquet-Effekt) zu vermeiden.
Sofort ärztliche Hilfe veranlassen.
Augenkontakt: Sofort
mit reichlich fließendem kaltem Wasser kühlen.
Unbedingt ärztliche Hilfe veranlassen!
Wenn das Auge durch kaltes Bitumen gereizt wird, mit reichlich Wasser
spülen.
Wenn die Reizung andauert
oder noch Bitumen im Auge ist, augenärztliche Hilfe veranlassen.
Synonyme: Brems- und Kupplungsflüssigkeit
Beschreibung: Wassermischbare Flüssigkeit, geringe Viskosität, unterschiedliche Farben.
Notfallbehandlung
Warnhinweis: Bremsflüssigkeit macht den Boden glatt und rutschig.
Einatmen: Praktisch nicht möglich.
Verschlucken: KEIN Erbrechen auslösen. Nichts in den Mund geben. Ärztliche Hilfe veranlassen.
Aspiration: Bei jedem Verdacht sofort ärztliche Hilfe anfordern.
Hautkontakt: Verschmutzte Kleidung entfernen, Haut mit Wasser und Seife/Waschlotion reinigen.
Augenkontakt: Sofort
mit reichlich Wasser spülen.
Wenn die Reizung andauert, augenärztliche Hilfe veranlassen.
Synonyme: Diesel, Dieselöl, Marine Dieselöl, DK, Heizöl EL
Beschreibung: Dieselkraftstoffe
und Gasöle sind Gemische von Kohlenwasserstoffen.
Gasöle werden auch als Industrielösemittel vermarktet.
Hinweis D: In Deutschland enthält Heizöl zur Kennzeichnung bis zu 15 mg FURFUROL im Liter.
Notfallbehandlung
Warnhinweis: Diesel und Gasöle machen den Boden glatt und schmierig.
Einatmen: Unwahrscheinlich
wegen des geringen Dampfdrucks dieser Produkte bei normaler Umgebungstemperatur.
Unter hohen Temperaturen und schlechter Belüftung, können Dämpfe
eingeatmet werden.
Betroffene an die frische Luft bringen.
Wenn die Betroffenen nicht atmen: Atemspende
Wenn die Betroffenen bewußtlos sind, aber atmen: stabile Seitenlage.
Wenn erforderlich externe Herzmassage und ärztliche Hilfe veranlassen.
Verschlucken: KEIN Erbrechen auslösen, sondern ärztliche Hilfe veranlassen.
Aspiration: Bei jedem Verdacht: Sofort ärztliche Hilfe veranlassen (siehe auch Aspiration).
Hautkontakt: Verschmutzte
Kleidung entfernen und die Haut sorgfältig mit Wasser und Seife/ Waschlotion
reinigen.
Beim Arbeiten mit Hochdruckgeräten kann es zu Injektionen unter die
Haut kommen.
Bei jedem Verdacht, auch bei nur geringen Symptomen, Betroffene in ein
Krankenhaus (Unfallpraxis) bringen
(siehe Hinweis Hochdruckinjektionen Seite 13).
Augenkontakt: Sofort
mit reichlich Wasser spülen.
Wenn die Reizung andauert, augenärztliche Hilfe veranlassen.
Synonyme: Butan, Propan, LPG, Liquified Petroleum Gas
Beschreibung: Bei
normaler Umgebungstemperatur geruchloses Gas, dem häufig Geruchsstoffe
beigegeben sind,
damit Leckagen bemerkt werden.
Notfallbehandlung
Warnhinweis: Unter
bestimmungsgemäßer Lagerung und Verwendung geht von Flüssiggas
keine Gefahr aus.
Flüssiggas ist jedoch sehr leicht entflammbar.
Jede Leckage bedingt ein hohes Unfallrisiko.
Das Gas ist schwerer als Luft und kann sich in jedem abgeschlossenen Raum
oder Behälter ansammeln,
wo es versehentlich entzündet werden kann.
Beim Retten von Unfallopfern aus Gas gefüllten Räumen Atemschutz
tragen, auf Feuer- und Explosionsgefahr
achten. Zündquellen ausschalten.
Ausströmendes Flüssiggas kann auf der Haut zu Erfrierungen (sog.
kalten Verbrennungen) führen.
Inhalation: Luftkonzentration
über 10% Gas wirkt narkotisierend.
Es treten Benommenheit, Kopfschmerzen, Schwindel und Verwirrtsein auf.
Betroffene an die frische Luft bringen.
Wenn die Betroffenen nicht atmen: Atemspende.
Wenn die Betroffenen atmen, aber bewußtlos sind: Stabile Seitenlage,
evtl. externe Herzmassage
Ärztliche Hilfe veranlassen.
Verschlucken: Entfällt.
Aspiration: Entfällt.
Hautkontakt: Bei Erfrierungen
die Haut nur steril abdecken und ärztliche Hilfe veranlassen.
KEINE Puder oder Salben auftragen (siehe auch "Verbrennungen" Seite 20).
Augenkontakt: Bei Erfrierungen am Auge die Betroffenen sofort in eine Augenklinik bringen.
Synonyme: Keine; unterschiedliche Handelsnamen.
Beschreibung: Wasserlösliche,
süßlich riechende Flüssigkeit, die ETHYLENGLYKOL enthält.
Die Farbe kann je nach Herkunft wechseln.
Notfallbehandlung
Einatmen: Nicht sehr
wahrscheinlich. Wenn Beschwerden durch hohe Luftkonzentrationen bestehen:
Betroffene an die frische Luft bringen. Falls nicht unverzüglich Erholung
eintritt, ärztliche Hilfe veranlassen.
Verschlucken: Sofort
ärztliche Hilfe veranlassen und darauf hinweisen, daß das Produkt
ETHYLENGLYCOL enthält.
KEIN Erbrechen auslösen.
Aspiration: Bei jedem Verdacht: Sofort ärztliche Hilfe veranlassen.
Hautkontakt: Verunreinigte Kleidung entfernen, die Haut sorgfältig mit Wasser und Seife/ Waschlotion reinigen.
Augenkontakt: Sofort und lange mit reichlich Wasser ausspülen. Wenn die Reizung andauert, augenärztliche Hilfe veranlassen.
Synonyme: Marineheizöl,
Heizöl S; Black oil, "Bunker C"; light, medium or heavy fuel oil,
marine fuel oil,
No. 6 fuel oil, residual fuel.
Beschreibung: Komplexe
Gemische aus Kohlenwasserstoffen, die aus Destillat- und Rückstandskomponenten
unterschiedlicher Raffinerieprozesse hergestellt werden.
Dünn- bis dickflüssig, grundsätzlich schwarz mit
charakteristischem
Geruch.
Notfallbehandlung
Warnhinweis: In
Vorrattanks kann sich über dem Heizöl Schwefelwasserstoff (H2S)
in gefährlichen
Konzentrationen ansammeln. Vor dem Einstieg in Tanks, die mit Heizöl
gefüllt sind oder waren,
sind Vorsichtsmaßnahmen erforderlich, evtl. Atemschutz.
Einatmen: Bei normaler
Umgebungstemperatur wegen des niedrigen Dampfdrucks unwahrscheinlich.
Bei hohen Temperaturen und schlecht belüfteten Räumen können
Dämpfe eingeatmet werden.
Bei entsprechenden Symptomen betroffene Personen an die frische Luft bringen.
Wenn betroffene Person nicht atmet: Atemspende
Wenn die betroffene Person bewußtlos ist und atmet: Stabile Seitenlage
Externe Herzmassage, wenn erforderlich, und ärztliche Hilfe veranlassen.
Aspiration: Bei jedem Verdacht sofort ärztliche Hilfe veranlassen. (Siehe auch Aspiration )
Hautkontakt: Verschmutzte Kleidung entfernen. Die Haut mit reichlich Wasser und Seife/ Waschlotion sorgfältig reinigen.
Augenkontakt: Sofort
sehr sorgfältig mit reichlich Wasser spülen.
Wenn die Reizung andauert, augenärztliche Hilfe veranlassen.
HOCHDRUCKINJEKTION / PERKUTANE INJEKTION DURCH HOCHDRUCKGERÄTE
Beschreibung: Die
Injektion von Hydrauliköl, Schmierfett oder Kraftstoff unter die Haut
kann zu schweren Verletzungen führen,
auch wenn anfangs keine Beschwerden auftreten, bzw. keine
Hautverletzungen
erkennbar sind.
Zur Injektion von Hydrauliköl, Schmierfett oder Kraftstoff in die
Augen oder unter die Haut kann es beim Hantieren
mit Hochdruck-Schmiergeräten (Schmierpistolen),
Kraftstoffeinspritzsystemen
oder durch Leckagen an diesen
und ähnlichen Hochdruckgeräten kommen.
Notfallbehandlung
Betroffene unverzüglich in ein Krankenhaus oder eine Notfallpraxis bringen.
Bei Augenverletzungen Betroffene sofort in eine Augenklinik bringen.
Auch bei nur vagem Verdacht und geringen äußeren Verletzungen müssen Betroffene unverzüglich in adäquate ärztliche Behandlung gebracht werden.
Für die Notfallbehandlung dieser Verletzungen ist die Zusammensetzung des injizierten Produkts nicht wichtig.
Synonyme: Schneidöle, Kühlschmiermittel, wasserlösliche Kühlschmiermittel
Beschreibung: Dünnflüssig;
entweder reine Grundöle oder eine Mischung von Schmierölen und
Emulgatoren oder auch
synthetische Flüssigkeiten aus Polyglykolen; können auch
geringe
Mengen an Bioziden und Antioxydantien
enthalten.
Notfallbehandlung
Inhalation: Betroffene
an die frische Luft bringen;
keine akute gesundheitliche Gefährdung.
Exposition nur im gewerblichen Bereich wahrscheinlich.
Wenn Betroffene dennoch bewußtlos, stabile Seitenlage , bei Herzstillstand
oder Pulslosigkeit
ggf. externe Herzmassage.
Ärztliche Hilfe veranlassen!
Verschlucken: KEIN Erbrechen auslösen. Ärztlichen Rat einholen.
Aspiration: Beim geringsten Verdacht auf Aspiration sofort ärztliche Hilfe veranlassen (Siehe auch "Aspiration")
Hautkontakt: Hautkontakt
verursacht keine akute gesundheitliche Gefährdung; dennoch durchtränkte
Kleidung sofort
ausziehen, durchtränkte Handschuhe wechseln.
Augenkontakt: Mit reichlich Wasser sorgfältig spülen. Wenn die Reizung andauert, augenärztliche Hilfe veranlassen.
Synonyme: Leuchtenöl,
Petroleum, Kerosin, Paraffinöl, flüssiges Paraffin, Grillanzünder,
Flugturbinentreibstoff;
Jet Fuel, barbecue lighter fuel.
Beschreibung: Dünnflüssiges,
weißliches bis fahlgelbes, leicht brennbares Gemisch aus Kohlenwasserstoffen,
das häufig mit leuchtenden Farben eingefärbt und stark
duftend
parfümiert ist.
Notfallbehandlung
Warnhinweis: Lampenöl ist leicht brennbar. Bevor ein Unfallopfer gerettet wird, müssen alle Zündquellen ausgeschaltet werden.
Inhalation: Betroffene
an die frische Luft bringen.
Wenn die Betroffenen nicht atmen: Atemspende.
Wenn die Betroffenen atmen, aber bewußtlos sind: Stabile Seitenlage.
Evtl. externe Herzmassage.
Ärztliche Hilfe veranlassen.
Verschlucken: KEIN Erbrechen auslösen. Ärztliche Hilfe veranlassen.
Achtung: Bei Kleinkindern
kann bereits das Lutschen oder Nuckeln an einem mit Lampenöl durchtränkten
Docht zu
lebensgefährlichen Vergiftungen führen.
Aspiration: Beim geringsten Verdacht auf Aspiration sofort ärztliche Hilfe veranlassen (Siehe auch "Aspiration" Seite 5).
Hautkontakt: Durchtränkte
Kleidung vor dem Ausziehen gut mit Wasser durchfeuchten, um eine Entzündung
durch
elektrostatische Funken zu vermeiden.
Haut sorgfältig mit Wasser und Seife/Waschlotion reinigen.
Augenkontakt: Mit reichlich Wasser sorgfältig spülen. Wenn die Reizung andauert, augenärztliche Hilfe veranlassen.
Synonyme: Keine; unterschiedliche Produktnamen, die auf den Gebrauch hinweisen.
Beschreibung: Dünnflüssige
wasserlösliche Gemische aus Isopropanol und - in Deutschland praktisch
nicht mehr vorhanden -
Ethylenglykol oder Methanol und Detergentien.
Hinweis D: In Deutschland wird im allgemeinen kein Ethylenglykol oder Methanol verwendet.
Notfallbehandlung
Inhalation: Entfällt.
Verschlucken: KEIN
Erbrechen auslösen. Ärztliche Hilfe veranlassen.(In Deutschland
wird im allgemeinen kein Ethylenglykol
oder Methanol verwendet; falls doch, siehe Abschnitt 2:
Scheibenwaschmittel)
Aspiration: Beim geringsten Verdacht sofort ärztliche Hilfe veranlassen.
Hautkontakt: Durchtränkte Kleidung ausziehen und die Haut sorgfältig mit Wasser und Seife/Waschlotion reinigen.
Augenkontakt: Sofort
und lange mit reichlich Wasser ausspülen.
Wenn die Reizung andauert, augenärztliche Hilfe veranlassen.
Synonyme: Stauffer-Fett, Kettenfett, Kugellagerfett, Wagenfett.
Beschreibung: Schmierfette
bestehen aus Mineralölen mit Zusätzen von Seifen, z.B.aus Lithiumsalzen,
Kalksalzen oder
Natriumsalzen, gelegentlich aber auch mit Zusätzen von Ton,
Kieselsäure,
Bitumen, Kohle,
substituiertem Harnstoff u.a.
Notfallbehandlung
Warnhinweis: Schmierfette machen Böden und Geräte glatt und rutschig.
Inhalation: Entfällt.
Aspiration: Entfällt.
Hautkontakt: Die einzige
wirkliche Gefahr ist die Injektion von Schmierfett unter die Haut, z.B.
durch Hochdruckpistolen
(siehe hierzu auch "Hochdruck-Injektion..." Seite 13).
Augenkontakt: Sofort
und lange mit reichlich Wasser ausspülen.
Wenn die Reizung andauert, augenärztliche Hilfe veranlassen.
Synonyme: Maschinenöl, Mineralöl, Getriebeöl, Motorenöl und diverse andere.
Beschreibung: Schmieröle
sind bernsteinfarbene bis schwarze Flüssigkeiten unterschiedlicher
Viskosität mit
einem charakteristischen Geruch.
Notfallbehandlung
Warnhinweis: Schmieröle machen Böden und Geräte glatt und rutschig.
Inhalation: Betroffene an die frische Luft bringen und ärztliche Hilfe anfordern, wenn nicht in kurzer Zeit Erholung eintritt.
Verschlucken: KEIN Erbrechen auslösen. Sofort ärztliche Hilfe veranlassen.
Aspiration: Beim geringsten Verdacht sofort ärztliche Hilfe veranlassen.
Hautkontakt: Verunreinigte
Kleidung so schnell wie möglich ausziehen.
Die Haut sorgfältig mit Wasser und Seife/Waschlotion reinigen.
KEIN Benzin, Gasöl, Kerosin, Petroleum oder andere Lösemittel/Verdünner
zur Hautreinigung verwenden.
Augenkontakt: Sofort und lange mit reichlich Wasser ausspülen. Wenn die Reizung andauert, augenärztliche Hilfe veranlassen.
Synonyme: H2S, Sauergas, Sauerwasser
Beschreibung: Farbloses, brennbares, giftiges Gas mit unangenehmem Geruch nach faulen Eiern.
Notfallbehandlung
Warnhinweis: Schwefelwasserstoff
ist ein extrem giftiges Gas. Bei der Rettung von Unfallopfern ist
außerordentliche Vorsicht geboten.
Es muß ein Atemschutzgerät getragen werden.
Niemals ein H2S - Giftgas-gefährdetes Gebiet ohne Atemschutzgerät
betreten.
Inhalation: Betroffene
so schnell wie möglich an die frische Luft bringen.
Sofort mit Atemspende beginnen.
(Für den Retter, Beatmer, besteht keine Gefahr, weil die Betroffenen
kein H2S ausatmen).
Sauerstoff geben.
Betroffene ruhig und warm lagern.
Sofort ärztliche Hilfe veranlassen.
Hinweis D: Zusätzlich
zur Atemspende soll bereits vom Ersthelfer Dexamethason Spray (z.B. Auxiloson)
in den
Rachen gesprüht werden (5 Hübe alle 10 Minuten).
Verschlucken: Entfällt.
Aspiration: Entfällt.
Hautkontakt: Keine akute Hautreizung durch H2S.
Augenkontakt: Mit reichlich Wasser spülen. Wenn die Reizung andauert, augenärztliche Hilfe veran- lassen.
Beschreibung: Verletzungen der Haut durch Einwirkung von Hitze, Kälte (Frostbeulen), Elektrizität, Chemikalien und Strahlen.
Zeichen und Symptome:
Schmerzen,
Rötung, Blasenbildung, Hautzerstörung (gelegentlich bis in das
Unterhautgewebe)
unterschiedlichen Ausmaßes.
Notfallbehandlung
1. Betroffene aus der Brandzone entfernen.
2. Hitzeverbrennungen:
Die verletzte
Region mit Wasser oder Kühl-Gel-Packungen lange und ausreichend kühlen,
evtl. bis zum Beginn
ärztlicher
Behandlung.
Verbrannte
Haut glüht lange nach!
Chemische
Verbrennungen:
Die Chemikalien
mit Wasser abwaschen.
Kälteverbrennungen
(z.B. durch Flüssiggas):
Die verletzte
Region in ein sauberes Baumwolltuch einpacken, ohne Druck auszuüben.
Nicht kühlen!
Haut
nicht reiben oder massieren, um Blutzirkulation zu stimulieren!
3. Auf eventuelle zusätzliche Verletzungen achten.
4. Nicht haftendeKleidung
vorsichtig entfernen. Auf der Haut festgebrannte Kleidung nicht gewaltsam
entfernen,
sondern
vorsichtig um den festhaftenden Kleidungsteil herumschneiden.
Brandblasen nicht aufstechen, bevor nicht steriles Verbandmaterial zu Verfügung steht.
5. Beurteilung von Ausmaß und Schwere der Verbrennung.
Ausgedehnte, schwere Verbrennungen unverzüglich ins Krankenhaus bringen.
Verbrennungen
mit Brandbindentüchern abdecken; Atemwege freilassen. Finger und Zehen
einzeln verbinden.
Schmerzmittel
oral als Tabletten oder Tropfen geben.
Ärztliche Hilfe veranlassen!
Abschnitt 2: Zusätzliche Informationen
Die folgenden Seiten enthalten für alle im Erste-Hilfe-Kapitel behandelten Produkttypen weiterführende Informationen.
Name des Produkts
Synonyme: Andere Namen für das Produkt. Markennamen werden nicht genannt.
Beschreibung: Eine Beschreibung des vorliegenden Produktes und - wo angebracht - Angaben über die Zusammensetzung, die für Erste-Hilfe-Maßnahmen oder weiterführende Behandlungen hilfreich sein können.
Toxikologie / Gesundheit: Eine kurze Zusammenfassung der wichtigen akuten gesundheitlichen Auswirkungen auf den Menschen, welche nach einer Exposition möglich sind.
Exposition beim Menschen: Die häufigsten Umstände, die zu einer Exposition gegenüber dem Produkt führen können.
Expositionsquellen: Beschreibung der typischen Quellen einer Exposition. Dieser Absatz beschreibt solche Situationen, die erfahrungsgemäß zu akuten Expositionen geführt haben.
Additive: Beschreibung der Additivtypen im Produkt und deren toxischen Eigenschaften nach einer akuten Exposition gegenüber dem Produkt.
INFORMATION FÜR DEN ARZT
Dieser Absatz enthält besondere Hinweise für den behandelnden Arzt. Die Hinweise für den Arzt richten sich nach dem gegenwärtigen Stand der medizinischen Praxis.
Quellen: Originalarbeiten
und andere Publikationen zur Akut- und Weiterversorgung von in toxikierten
Personen.
Es wird nur die im Concawe Report angegebene englischsprachige Literatur
erwähnt.
Synonyme: Aromatische Prozeßöle, Maschinenölextrakte, Prozeßöle, Solventextrakte.
Beschreibung: Hochviskose bis leicht flüssige, bernsteinfarben bis schwarz, hochsiedende, nicht flüchtige, brennbare Mischung von Kohlenwasserstoffen.
Toxikologie / Gesundheit: Verschlucken, Inhalation oder Hautkontakte von aromatischen Extrakten verursachen keine systemischen Intoxikationen. Verschlucken kann jedoch zu vorübergehenden gastrointestinalen Beschwerden führen. Kurzfristiger Hautkontakt führt nicht zur Hautreizung. Häufiger oder lang andauernder Hautkontakt kann zu Dermatitis führen. In jedem Fall sollte der Hautkontakt mit aromatischen Extrakten wegen des Gehaltes an nennenswerten Mengen von polyzyklischen aromatischen Komponenten (PAC's), von denen einige karzinogen sind, vermieden werden. Spritzer von aromatischen Extrakten in die Augen können zu vorübergehenden leichten Reizungen führen. Der niedrige Dampfdruck der aromatischen Extrakte verhindert das Entstehen von Dämpfen bei Umgebungstemperatur. Der Gebrauch bei höheren Temperaturen, Versprühen oder mechanische Aerosolbildung , können zur Exposition gegenüber Nebel oder Dämpfen führen, die Augen, Nase und Respirationstrakt reizen. Nur diese Symptome werden nach einer akuten Exposition beobachtet. Dennoch sollte die Exposition gegenüber Dämpfen/Nebeln vermieden werden, um jegliches gesundheitliches Risiko durch PAC Exposition, zu vermeiden.
Exposition beim Menschen: Die Exposition gegen aromatische Extrakte erfolgt überwiegend durch Inhalation und/oder Hautkontakt. Da die meisten aromatischen Extrakte schwer flüchtig sind, entstehen bei Umgebungstemperaturen keine nennenswerten Dampf- und Nebelkonzentrationen. Bei erhöhten Temperaturen und hohen Maschinengeschwindigkeiten kann es jedoch zur Entstehung von Dampf- und Nebelbildung kommen. Beim Umgang mit aromatischen Extrakten kann es versehentlich zu Kontakten mit der Haut und den Schleimhäuten des Auges kommen. Versehentliches Verschlucken von nennenswerten Mengen ist wenig wahrscheinlich.
Expositionsquellen: Aromatische Extrakte werden ausschließlich in Industriebetrieben verwendet. Eine Anwendung im Privat-/Hobbybereich ist nicht zu erwarten. Eine akute Exposition gegenüber größerer Mengen aromatischer Extrakte ist daher nur im Industriebereich durch Verschütten, beim Erhitzen und durch Versprühen möglich.
Additive: Aromatische Extrakte enthalten normalerweise keine Additive. In wenigen Fällen kann als Fließverbesserer eine geringe Zugabe von hochmolekularen Polymeren notwendig werden. Diese Additive besitzen keine akute Toxizität und beeinflussen die Toxizität der aromatischen Extrakte nicht.
INFORMATION FÜR DEN ARZT
Die orale Aufnahme von aromatischen Extrakten ist wenig wahrscheinlich. Da aromatische Extrakte oder deren Additive sehr gering toxisch sind, ist keine spezielle Therapie erforderlich. Die Therapie sollte symptomatisch und nach den individuellen Bedürfnissen der Patienten ausgerichtet sein.
Quellen:
CONCAWE (1992) Aromatic
extracts. Product Dossier No. 92/101. Brussels: CONCAWE
CONCAWE (1995) The classification
and labelling of petroleum substances according to the EU dangerous substances
directive. Report No. 95/59. Brussels: CONCAWE
Beschreibung: Ungewolltes
Eindringen von Flüssigkeiten in die Lungen. Dieses kann direkt oder
beim Erbrechen geschehen.
Der Geruch der Atemluft
nach Kohlenwasserstoff, das Beobachten von Erbrochenem oder Symptome wie
Husten oder Ersticken lassen auf eine Aspiration von Mineralölprodukten
schließen.
INFORMATION FÜR DEN ARZT
Ätiologie
Mineralölprodukte mit
niedriger Viskosität (weniger als 7 x 10-6 m2/sec) stellen für
Mensch und Tier ein ernsthaftes und potentiell letales Risiko dar. Die
Wahrscheinlichkeit einer Aspiration hängt von der Viskosität,
Oberflächenspannung und der Flüchtigkeit des Produktes ab. Anhand
der Viskosität lassen sich jedoch das Aspirationsrisiko einer Substanz
und das Ausmaß des Vordringens in untere Lungenabschnitte am besten
abschätzen. Niedrig viskose Substanzen haben im Körper gute Fließeigenschaften
und verbreiten sich leicht im Respirationstrakt. Aus diesem Grunde können
bereits kleine Mengen des Produktes große Areale Lungengewebe schädigen.
Pathogenese
Aspirierte Kohlenwasserstoffe
vermindern die Funktion des Antiatelektasefaktors und bewirken eine alveoläre
Instabilität sowie Verschluß der distalen Lungenwege und ein
Ventilations -/Perfusions - Mißverhältnis mit nachfolgender
Hypoxämie. Hochflüchtige Kohlenwasserstoffe behindern die alveoläre
Sauerstoffaufnahme und führen zur vorübergehenden Hypoxie, in
einigen Fällen zur Asphyxie. Aspirierte Kohlenwasserstoffe schädigen
die pulmonalen Kapillaren direkt. Es kommt zur Ausbildung einer Pneumonitis,
Hämorrhagien, Bronchopneumonien und Lungenoedemen mit nachfolgender
Hypoxämie. Hochvisköse Kohlenwasserstoffe können ebenfalls
die alveoläre Sauerstoffaufnahme behindern und zur vorübergehenden
Hypoxie, in einigen Fällen zur Asphyxie, wegen akuter Behinderung
der Atmung führen.
Histopathologisch werden interstitielle Infiltrationen und Nekrosen der Bronchien und Bronchioli, intraalveolare Haemorrhagien und entzündliche Zellexsudate gefunden.
Klinik
Initialsymptome sind Würgen,
Ersticken, Husten und Luftnot, Tachypnoe, intercostale Retraktionen, abgeschwächtes
Atemgeräusch, Tachykardie, Fieber. Komplikationen sind Lungenoedem,
Pneumomediastinum, Emphysem und Zysten. Die Lungenveränderungen nehmen
gewöhnlich in den ersten 24 Stunden zu, sind dann in den nächsten
Tagen bis Wochen rückläufig.
Diagnose
Eine Pneumonitis kann innerhalb
von 12 Stunden röntgenologisch nachgewiesen werden; man findet meist
Zeichen eines Lungenödems, darüber hinaus werden unterschiedliche
Trübungen beschrieben.
Hypoxyämien, wahrscheinlich
bedingt durch Störung von Ventilation/Perfusion, können beobachtet
werden (Lee und Seymour).
Reversible bronchiale Hyperreaktivität
und restriktive Einschränkung der Ventilationsverhältnisse wurden
beschrieben (Brander et al.).
Bei Makrophagen und Neutrophilen
- gewonnen durch broncho-alveoläre Lavage - wurden zytoplasmatische
Vakuolisierungen nachgewiesen (Brander et al.).
NOTFALLBEHANDLUNG
Quellen:
Brander, P.E. et al (1992)
Fire-eater's lung, Eur Respir J 5, 1, 112-114
Gerarde, H.W. (1959) Toxicological
studies on hydrocarbons. Part V:
Kerosine. Tox Appl Pharmacol
I
, 462-474
Gerarde, H.W. und Ahlstrom,
D. B. (1963) Toxicological studies on hydrocarbons.
Part IX: The aspiration
hazard and toxicity of hydrocarbons and hydrocarbon mixtures.
Arch Environ Health 6,
329-341
Lee, T.H. und Seymour, W.M.
(1979) Pneumonitis caused by petrol siphoning. The Lancet, July 21, S.
149
Schwartz, W.K. und Gordon,
B. (1979) Gasoline ingestion. J Amer med Assoc 242, 18, 1968-1969
Synonyme: Super
Benzin, Super Benzin plus, Gasolin, Ottokraftstoff, Flugbenzin;
Aviation gasoline, AVGAS,
Petrol, MOGAS, motor gasoline, motor spirit, naphtha, premium unleaded,
super unleaded.
Beschreibung: Benzin ist ein Oberbegriff für flüchtige, leichtentzündliche, aus Erdöl gewonnene Kraftstoffe für Ottomotoren , die hauptsächlich zum Betreiben von PKWs, Motorrädern, Leichtflugzeugen und Gartenmaschinen benutzt werden. Benzin ist eine komplexe Mischung aus flüchtigen Kohlenwasserstoffen im Bereich von C4 bis C10; sie sieden zwischen 30° und 220° C und haben einen Flammpunkt von kleiner minus 40° C. Benzin wird durch das Mischen von Raffinerieströmen hergestellt, daher variiert seine Zusammensetzung in Abhängigkeit vom eingesetzten Rohöl und von den verfügbaren Raffinerieströmen. Im Handel erhältliches Benzin kann kleine Mengen an chemischen Additiven enthalten, um die Eigenschaften zu verbessern. Benzin ist normalerweise entweder farblos oder leicht gelblich, kann aber auch aus steuerlichen oder anderen Gründen gefärbt sein.
Toxikologie / Gesundheit: Benzine verursachen bei unbeabsichtigtem Verschlucken oder Hautkontakt keine systemischen toxischen Wirkungen. Kurzzeitiger Hautkontakt kann eine Reizung verursachen, häufiger oder länger andauernder Hautkontakt kann starke Hautreaktionen zur Folge haben. Benzine haben eine entfettende Wirkung auf die Haut und können so Austrocknung, Risse und Dermatitis verursachen. Spritzer ins Auge können leichte lokale Beschwerden und Reizungen hervorrufen. Solche Beschwerden sind jedoch vorübergehend und haben keine dauerhaften Schäden zur Folge.
Kurzzeitige Exposition mit hochkonzentrierten Benzindämpfen (> 500 ppm) kann Reizungen von Auge, Nase und Atemwegen sowie Störungen des Zentralnervensystems wie Kopfschmerz, Schwindel oder Verwirrung verursachen. Die größte potentielle Gefahr für die Gesundheit ist jedoch eine schwere, potentiell tödliche Lungengewebsschädigung durch Aspiration auch nur kleiner Benzinmengen (siehe auch Informationen über Aspiration auf Seite 23).
Exposition beim Menschen: Die häufigste Exposition mit Benzin geschieht bei normalem Gebrauch durch Inhalation. Benzin ist eine sehr leichtflüchtige Flüssigkeit und kann bei Umgebungstemperatur erhebliche Dampfkonzentrationen entwickeln. Ein unbeabsichtigter kurzfristiger Haut- oder Augenkontakt kann beim Umgang mit Benzin vorkommen, eine längere Hautexposition ist aber nur in Unfallsituationen zu erwarten, z.B. benzindurchtränkte Kleidung bei einem Fahrzeugunfall. Das Verschlucken von Benzin ist unwahrscheinlich, es sei denn beim Versuch, Benzin mit dem Mund abzusaugen. In diesem Fall ist jedoch die Aspiration von Benzin die Hauptgefahr.
Expositionsquellen: Direkte Exposition mit Benzin kann sowohl im industriellen wie auch im privaten Bereich geschehen. Außerdem kann eine Exposition aufgrund von Umweltverunreinigung, z.B. beim Verschütten, auftreten.
Bei Exposition im privaten Bereich, z.B. beim Wiederauffüllen des Rasenmähers mit Benzin, ist die Benzinmenge, mit der umgegangen wird, relativ klein (weniger als 5 Liter). Dabei sind Hautkontakt und Inhalation von Dämpfen möglich. Unbeabsichtigtes Verschlucken kleiner Mengen (weniger als 100 ml) und/oder Aspiration kann beim Ansaugen des Benzins mit dem Mund oder beim Trinken aus nicht oder falsch gekennzeichneten Flaschen vorkommen. Es gibt auch absichtliches Schnüffeln von Benzindämpfen. Im industriellen Bereich und beim unbeabsichtigten Verschütten kann es zum Kontakt mit sehr viel größeren Mengen Benzins kommen. In der Raffinerie, in den Lägern und beim Vertrieb kann es zu Kurzzeitexpositionen (bis zu 10 Minuten) mit bis zu 500 ppm Benzindämpfen kommen, die jedoch keine Auswirkungen auf die Gesundheit haben. Beim Verschütten größerer Mengen sind insbesondere in geschlossenen Räumen wesentlich höhere Expositionen möglich.
Additive: Im Handel erhältliche Benzine enthalten nicht deklarierte chemische Zusätze, z.B. Detergentien, Farbstoffe oder Antiklopfmittel. Diese sind nur in kleinen Mengen vorhanden (weniger als 0,1 %) und verändern daher nicht die toxische Wirkung des Benzins. Alkylbleiverbindungen, wie z.B. Tetra - Äthylblei, werden in verbleiten Benzinen und Flugbenzinen benutzt. Obwohl diese Verbindungen selbst akut toxisch sind, ist bei Exposition mit verbleitem Benzin eine akute Toxizität durch den Bleianteil wegen der geringen Menge (üblicherweise 0,03% bis 0,19%) unwahrscheinlich. In Deutschland und anderen EU - Staaten ist verbleites Benzin nicht mehr im Handel. Unverbleite Benzine enthalten oft sog. Oxygenate, z.B. bis zu 5% Ethanol oder 3% Methanol oder 15% Methyl-3-Butyläther. Hinsichtlich akuter Toxizität ist nur das Methanol wichtig.
INFORMATION FÜR DEN ARZT
Paraffinum liquidum oder Kohle reduzieren die Resorption im Verdauungstrakt. Eine Magenspülung sollte wegen der Gefahr einer Aspiration mit nachfolgender Pneumonitis erst nach einer endotrachealen Intubation durchgeführt werden.
Die im Benzin vorkommenden Bleiverbindungen (siehe oben) sind wegen ihrer geringen Menge bei der Behandlung einer akuten Benzinvergiftung irrelevant.
Falls sich bei längerer Hautexposition ein Hautdefekt oder eine Verätzung entwickelt hat, sollte diese wie eine Hautwunde oder eine Verbrennung behandelt werden.
Bei Behandlung von Patienten mit Benzinexposition darf ggf. eine gleichzeitige Exposition durch Methanol nicht vergessen werden (siehe auch Abschnitt über Scheibenwaschmittel auf Seite 39).
Quellen:
CONCAWE (1992) Gasolines.
Product Dossier No. 92/103. Brussels: CONCAWE
Beschreibung: Bitumen ist ein schwarzes oder dunkelbraunes, festes bis halbfestes, thermoplastisches Material. Es wird aus Rohöl durch Destillation hergestellt. Bitumen ist eine komplexe Kombination hochmolekularer organischer Bestandteile mit einem relativ hohen Gehalt an gesättigten und aromatischen Kohlenwasserstoffen mit Kohlenstoffzahlen über 25 C. Bei Umgebungstemperatur nicht flüchtig. Bitumenderivate sind Mischungen von Bitumen mit Materialien, wie z.B. mit Verdünnern, wie Testbenzin (cutbacks), hochsiedende Mineralölprodukte, wie industrielle Prozeßöle (Fluxbitumen) mit Wasser für Bitumen-Emulsionen oder anderen Additiven, um die physikalischen oder chemischen Eigenschaften zu modifizieren.
Toxikologie / Gesundheit: Bei Kontakt mit flüssigem Bitumen kommt es zu Verbrennungen. Über andere akute gesundheitliche Schäden durch Bitumina oder Bitumendämpfe wird nur gelegentlich berichtet. Mögliche Symptome sind Dermatitis, Müdigkeit, Appetitlosigkeit, Reizung von Larynx/Pharynx, Husten, Reizungen der Bindehaut. Diese Symptome werden jedoch überwiegend durch im Bitumen enthaltene Lösemittel ( Cutback-Bitumen )verursacht.
Exposition beim Menschen: Meistens handelt es sich um Kontakte mit der Haut und dem Auge durch heiße Bitumenspritzer. Das Einatmen von Bitumen- oder Lösemitteldämpfen ist auch möglich.
Expositionsquellen: Zum Kontakt mit Bitumen oder Bitumenderivaten kann es bei Herstellung, Transport oder Verwendung kommen. Bitumen wird überwiegend für den Straßenbau und Dachabdeckungen verwendet.
INFORMATION FÜR DEN ARZT
Fest haftende Bitumenschichten sollen nicht von der Haut entfernt werden. Wenn erkaltetes Bitumen zu Abschnürungen führt, muß es gespalten werden, um Durchblutungsstörungen zu vermeiden. Nach dem Erkalten kommt es zu keiner weiteren Schädigung der betroffenen Bezirke. Bitumen bedeckt die Haut steril. Während der Abheilungsphase löst sich das Bitumen innerhalb weniger Tage von selbst. Muß aus besonderen Gründen Bitumen von der Haut entfernt werden, empfiehlt es sich, dafür erwärmtes medizinisches Paraffin zu benutzen. Nach dem Entfernen des Bitumens sollte die Haut mit Wasser und Seife gewaschen und dann mit Reinigungscremes oder rückfettenden Cremes behandelt werden.
Quellen:
CONCAWE (1992) Bitumens
and bitumen derivates. Product Dossier No. 92/104. Brussels: CONCAWE
Synonyme: Brems- und Kupplungsflüssigkeit.
Beschreibung: Wassermischbare Flüssigkeit, farblos bis bernsteinfarben, enthält bisweilen Farbstoffe. Hauptbestandteil sind hochsiedende Polyalkylglykolether hohen Molekulargewichtes. Einige Markenfabrikate enthalten kleine Mengen Diethylenglykol, Korrosionsinhibitoren und Antioxidantien.
Toxikologie / Gesundheit: Da Bremsflüssigkeiten auf synthetischen Polyalkylglykolethern basieren, sind die toxischen Eigenschaften denen der Polyglykolether ähnlich. Gylkolether mit hohem Molekulargewicht, wie sie in Bremsflüssigkeiten verwendet werden, haben nicht die gleiche akute Toxizität (d.h. haematologischen Auswirkungen) wie Gylkolether mit niedrigem Molekulargewicht. Bremsflüssigkeiten können bei Augenkontakt zu vorübergehenden Reizungen führen. Hautkontakt führt nicht zu einer akuten Reizung, jedoch können längerer oder wiederholter Kontakt eine Dermatitis auslösen. Expositionen gegen hohe Konzentrationen von Nebeln oder Dämpfen sind sehr unwahrscheinlich, können jedoch zu Reizungen des Atemtraktes führen. Nach Verschlucken von geringen Mengen ist das Entstehen einer systemischen Toxizität unwahrscheinlich, vorübergehende gastrointestinale Wirkungen sind jedoch zu erwarten. Verschlucken größerer Mengen bedingt Übelkeit, Erbrechen, möglich sind zentralnervöse Symptome, wie Schwindel, Schläfrigkeit. Bei Produkten, die Diethylglykol enthalten, sind Nierenschädigungen zu erwarten.
Exposition beim Menschen: Die Hauptexpositionquellen sind Haut- und Augenkontakt oder Verschlucken. Da Bremsflüssigkeiten schwer flüchtig sind, sind bei Umgebungstemperaturen keine nennenswerten Nebel-/Dampfkonzentrationen zu erwarten, wohl aber bei Erhitzen.
Expositionsquellen: Bremsflüssigkeiten werden von der Industrie und dem Endverbraucher benutzt. Daher besteht die Möglichkeit des Hautkontaktes und des Verschluckens am Arbeitsplatz und im Privatbereich.
Additive: Bremsflüssigkeiten enthalten geringe Mengen Additive, üblicherweise weniger als 1%. Obwohl einige Additive für sich betrachtet toxisch sind, ist wegen der niedrigen Konzentration nicht mit nennenswerten Auswirkungen auf die akute Toxizität zu rechnen.
INFORMATION FÜR DEN ARZT
Bremsflüssigkeiten sind oral und dermal gering toxisch. Bei oraler Aufnahme großer Mengen sind zentralnervöse Dämpfung und/oder Nierenschädigungen möglich. In besonders schweren Fällen kann es zum Nierenversagen mit letalem Ausgang kommen. Die Behandlung von Intoxikationen sollte symptomatisch nach medizinischer Notwendigkeit erfolgen. Ein therapeutisches Vorgehen wie bei Ethylenglykolintoxikationen kann notwendig werden (siehe auch Frostschutzmittel S. 33).
Quellen:
ECETOC (1995) The toxicology
of glycol ethers and ist relevance to man.
Technical Report No. 64.
Brussels: ECETOC
Synonyme: Dieselöl, Marine Dieselöl, DK, Heizöl EL
Beschreibung: Gasöle sind komplexe variable Gemische von Kohlenwasserstoffen (C9-C25). Der Siedebereich liegt zwischen 150° - 450° C, der Flammpunkt 55-80° C. Gasöle werden durch "Blenden" (Mischen) von Mitteldestillaten hergestellt, ihre Zusammensetzung variiert daher entsprechend dem Rohöl und den verfügbaren Raffinerieprozeßströmen. Gasöle haben einen charakteristischen Geruch. Sie können, um die Wirksamkeit zu verbessern, mit kleinen Mengen von Additiven versehen sein (z.B. Alkylnitrate zur Cetanzahlsteigerung). Gasöle können zur Kennzeichnung aus steuerrechtlichen Gründen eingefärbt sein ( in Deutschland enthält Heizöl bis zu 15 mg Furfurol pro Liter).
Toxikologie / Gesundheit: Im allgemeinen ist es wenig wahrscheinlich, daß durch Aufnahme von Gasöl (oral, inhalativ oder über die Haut) eine systemische Intoxikation erfolgt. Verschlucken kann vorübergehende gastrointestinale Symptome hervorrufen. Bei Hautkontakt kann es, insbesondere bei wiederholten oder längeren Kontakten, zu Reizungen kommen. Gasöle entfetten die Haut. Dieses führt zur Austrocknung, Rißbildung, Dermatitis. Spritzer in die Augen können leichte Reizungen bewirken. Diese Effekte bilden sich zurück, ein Dauerschaden ist unwahrscheinlich.
Wegen des niedrigen Gasdruckes entstehen keine hohen Gas-/Dampfkonzentrationen. Bei hohen Temperaturen, Versprühen oder mechanischer Aerosolbildung kann es zu nennenswerten Konzentrationen von Nebeln und Dämpfen kommen, so daß Augen, Schleimhäute der Nase und des Respirationstraktes gereizt werden. Exposition gegen hohe Konzentrationen können zu Störungen des Zentralen Nervensystems (ZNS) führen, d.h. Kopfschmerzen, Schwindel, Verwirrtheit. Ernstzunehmende gesundheitliche Risiken können durch Aspiration auch kleiner Mengen Gasöl entstehen. Das Lungengewebe kann erheblich geschädigt werden. Todesfälle sind beschrieben worden. Hochdruckinjektionen durch die Haut stellen ein weiteres, ernstzunehmendes Risiko dar. Hierbei kann es zu beträchtlichen Gewebezerstörungen kommen, auch wenn die darüber liegende Haut nur gering beschädigt worden ist.
Exposition beim Menschen: Beim Umgang sind Haut- und Augenkontakt und Inhalation möglich. Da Gasöle schwer flüchtig sind, entstehen bei Umgebungstemperatur keine nennenswerten Nebel- oder Gaskonzentrationen, wohl aber durch Versprühen, erhöhte Temperaturen oder sich schnell bewegende Maschinenteile. Die ungewollte Aufnahme größerer Mengen von Gasölen ist wenig wahrscheinlich. Sollte es jedoch trotzdem dazu gekommen sein, muß wegen der geringen Viskosität an die Möglichkeit einer Aspiration gedacht werden.
Expositionsquellen: Umgang mit Gasöl oder Exposition gegen Gasöl gibt es im industriellen und im privaten Bereich. Darüber hinaus kann eine Exposition durch Umweltkontamination, z.B. durch Leckagen , Versprühen und Verschütten, bedingt sein. Der überwiegende Kontakt geschieht beim Betanken von Dieselfahrzeugen. Eine akzidentielle orale Aufnahme in kleinen Mengen ist beim Ansaugen mit dem Mund möglich. Zu einer nennenswerten Kontamination kann es bei Leckagen kommen.
Additive: Gasöle können, in Abhängigkeit ihrer Verwendung, unterschiedliche Additive enthalten, z.B. Antioxidantien, Fließ-/Verbrennungsverbesserer, Detergentien oder Korrosionsinhibitoren und Farbstoffe. Einige Additive sind akut toxisch, jedoch sind ihre Konzentrationen in Gasölen relativ gering. Treibstoffe enthalten typischerweise weniger als 0,1% Additive. Industrielle Produkte können bis zu 10% Additive enthalten, diese sind jedoch gering toxisch.
INFORMATION FÜR DEN ARZT
Durch Gaben von Paraffinum liquidum oder Aktivkohle kann die Resorptionsgeschwindigkeit im Gastrointestinaltrakt herabgesetzt werden. Magenspülungen dürfen nur nach vorheriger Intubation durchgeführt werden.
Gasöl und Diesel reizen Haut und Schleimhäute des Auges. Durch Lagern und Umgang kommt es unter Normalbedingungen nicht zum Hautkontakt mit Gasöl. Häufiger oder längerer Kontakt führt zur Hautentfettung, Reizung und Dermatitis.
Quellen:
CONCAWE (1995) Gas oils
(diesel fuels/heating oils). Product Dossier No. 95/107. Brussels: CONCAWE
CONCAWE (1995) The classification
and labelling of petroleum substances according to the EU dangerous substances
directive. Report No. 95/59. Brussels: CONCAWE
ERFRIERUNGEN
Bemerkung: Diese Verletzungen werden auch als Anhang zum Kapitel "Verbrennungen" abgehandelt, da sie durch Kontakt von Flüssiggas (LPG, liquefied petroleum gas) mit Haut und Auge vorkommen, bedingt durch Leckage oder Defekte im Drucksystem bei Produktion und Lagerung.
Synonyme: Cold injury.
Beschreibung: Es handelt sich um Verletzungen, insbesondere der Finger, Zehen und Ohren, hervorgerufen durch längere Einwirkung von niedrigen Umgebungstemperaturen, wobei Luftfeuchtigkeit und Windgeschwindigkeit das Ausmaß der Schädigung verstärken können. Erfrierungen können auch durch Haut- und Augenkontakt mit extrem kalten Flüssigkeiten, z.B. Flüssiggas (LPG), hervorgerufen werden.
Klassifikation: Ähnlich der Verbrennungsklassifikation:
Gesundheitsaspekte: Erfrierungen sind gewöhnlich lokal begrenzte Läsionen der Haut, in schweren Fällen auch tiefergelegener Gewebe. Gelegentlich sind auch die Augen betroffen, verursacht durch Vasokonstriktionen, zunehmende Viskosität des Blutes, die die lokale Durchblutung vermindert, unzureichende Sauerstoffversorgung und Abkühlung der Gewebe bis zur Bildung von Eiskristallen.
Durch die Behandlung soll die normale Körpertemperatur wiederhergestellt und das Ausmaß der lokalen Gewebeschädigung möglichst gering gehalten werden. Das betroffene Gewebe darf nicht direkt erwärmt oder kräftig massiert werden. Die Behandlung erfolgt durch langsames Auftauen der betroffenen Körperpartien in Wasser bei Temperaturen zwischen 40° und 45° C. Danach vorsichtige Reinigung.
NOTFALLBEHANDLUNG
Synonyme: Butan, Propan; LPG, Liquefied Petroleum Gas
Beschreibung: Flüssiggas ist eine Mischung aus entzündlichem Propan (C3) und Butan (C4) unter Druck bei Umgebungstemperatur. Flüssiggas kann auch kleine Mengen anderer Kohlenwasserstoffe wie C1 ,C2 oder C5 bis C7 enthalten. Es enthält oft auch einen Geruchsstoff, so daß auch kleine Undichtigkeiten entdeckt werden können.
Toxikologie / Gesundheit:
Es
gibt in der wissenschaftlichen Literatur keine Veröffentlichungen
über Flüssiggas. Jedoch kann durch die über die Hauptkomponenten
Propan und Butan existierenden Veröffentlichungen die wahrscheinliche
Toxizität von Flüssiggas abgeschätzt werden. Propan und
Butan wirken in genügend hohen Konzentrationen narkotisierend.
Eine besondere Gefahr durch
Exposition mit hohen Konzentrationen, häufig die Folge absichtlicher
Inhalation (Schnüffeln), stellt der plötzliche Herztod dar.
Eine kurze Exposition mit
geringen Konzentrationen verursacht keine systemischen toxischen Wirkungen.
Die Inhalation von Flüssiggas bei erhöhter Konzentration (über
10%) verursacht narkotische Effekte mit Schwäche, Kopfschmerzen, leichter
Benommenheit, Übelkeit, Verwirrtheit, verschwommenem Sehen und zunehmender
Schläfrigkeit. Eine Exposition mit sehr hohen Konzentrationen führt
zu Bewußtlosigkeit, Krämpfen und Erstickungstod als Folge von
Sauerstoffmangel.
Der narkotische Effekt von Butan ist größer als der von Propan, und eine Exposition von 1% (10 000 ppm) kann nach wenigen Minuten zu einer leichten Benommenheit führen. Dem Flüssiggas ist häufig ein Geruchsstoff zugefügt, um rechtzeitig Leckagen zu entdecken. Der Geruchsstoff ist nur in extrem niedrigen Konzentrationen im Flüssiggas vorhanden und verursacht keine Gesundheitsschäden.
Exposition beim Menschen: Flüssiggas kann als Gas inhaliert werden. Rasches Verdampfen des Flüssiggases auf der Haut kann bei normalem Atmosphärendruck Erfrierungen verursachen.
Expositionsquellen: Unter
normalen Lagerungs- und Nutzungsbedingungen stellt Flüssiggas keine
Gesundheitsgefahr dar. Hohe Expositionen können durch unfallbedingte
Freisetzung von Flüssiggas (als Flüssigkeit oder als Gasphase)
entstehen. Die Hauptgefährdung bei solchen Unfällen sind jedoch
Explosion und Feuer.
Akute Erfrierungen können
beim Füllen von Flüssiggasbehältern oder flüssiggasbetriebenen
Fahrzeugen entstehen; einerseits können der Behälter und der
Zuleitungsschlauch außen so kalt werden, daß sie Erfrierungen
verursachen, andererseits kann beim Trennen der Schlauchverbindungen Flüssiggas
auf die Haut spritzen.
INFORMATION FÜR DEN ARZT
Es gibt keine spezielle Empfehlung
für Flüssiggas. Behandlung von Gesundheitsschäden muß
symptomatisch erfolgen. Im Falle von Erfrierungen wird auf die Empfehlungen
zur Behandlung von Erfrierungen (Seiten 20 und 31) verwiesen.
Synonyme: Keine; unterschiedliche Handelsnamen.
Beschreibung: Wasserlösliche, etwas süßlich riechende Flüssigkeit, deren Farbe vom jeweils verwendeten Farbstoff abhängt. Typische Rezeptur: Ethylenglykol und Wasser, kann auch kleine Mengen Additive (z.B. Farbstoffe, Bitterstoffe und Antikorrosiva) enthalten. Ein geringer Teil der Frostschutzmittel besteht aus Propylenglykol, Wasser und Additiven.
Toxikologie / Gesundheit: Der toxikologisch relevante Anteil des Frostschutzmittels ist das Ethylenglykol, das durch Verschlucken, Inhalation und Hautresorption aufgenommen werden kann. Die Auswirkungen auf das zentrale Nervensystem (ZNS) sind vergleichbar mit denen des Ethylalkohols (Alkohol): Anregung, gefolgt von Dämpfung. Durch Inhalation von Ethylenglykoldämpfen oder -nebeln kann es zu Reizungen des Atemtraktes (Atembehinderung, Husten, Brennen der Brust, Lungenoedem) kommen. Verschlucken kann zu letalem Ausgang führen. Folgende weitere Symptome können beobachtet werden: Appetitlosigkeit, spastische Augenbewegungen, Benommenheit , Leibschmerzen, Atemstillstand, Herz-Kreislauf-Kollaps, Koma oder akutes Nierenversagen. Eine Hautresorption kann zur systemischen Intoxikation beitragen. Personen, die 75 bis 100 ml Ethylenglykol getrunken und wegen schnell einsetzender Therapie die akute Phase der Intoxikation überstanden hatten, verstarben später (3 bis 17 Tage) an Nierenversagen.
Exposition beim Menschen: Die Intoxikation erfolgt meist durch Verschlucken. Intoxikation durch Inhalation ist nur bei hohen Temperaturen in geschlossenen Räumen möglich.
Expositionsquellen: Die häufigste Ursache für eine Vergiftung - insbesondere bei Kindern - ist die unzureichende oder fehlende Kennzeichnung von im Hause vorhandenem Frostschutzmittel. Frostschutzmittel sind üblicherweise in Behältern bis zu 5 Litern erhältlich.
Additive: Die zugesetzten Additivmengen sind gering (überlicherweise weniger als 1%). Sie haben daher für die Intoxikation keine Bedeutung.
INFORMATION FÜR DEN ARZT
Sorgfältige Überwachung des Wasser- und Elektrolythaushaltes. Vermeidung von Oxalatausfällungen durch forcierte Diurese. Ausgleichung der metabolischen Azidose. Verzögerte (12 bis 24 Stunden) kardio-pulmonale Symptome, wie Tachypnoe, Tachykardie, leichte Hypertension, Zyanose und Herzversagen mit pulmonalen Oedemen, sind möglich.
Zur Diagnose der oralen Aufnahme kann die Bestimmung von Oxalacetat im Urin (Metabolit des Ethylenglykols) herangezogen werden. Eine sorgfältige Überwachung der Funktion von Nieren, Herz und Lungen sowie des ZNS sind indiziert. Intravenöse Gaben von Ethanol können die Bildung von toxischen Metaboliten inhibieren.
Quellen:
Goulding, R. (1983) Poisoning
(Pocket Guide). Blackwell Scientific Publisher
Synonyme: Marineheizöl, Heizöl S, "Bunker C"; Black oil, light, medium or heavy fuel oil, marine fuel oil, No. 6 fuel oil, residual fuel.
Beschreibung: Schwere Heizöle sind komplexe aus dem Erdöl gewonnene Kohlenwasserstoffgemische, die aus den verschiedensten Destillaten und Rückständen verschiedener Raffinerieströme hergestellt werden. Sie enthalten gesättigte, aromatische und olefinische Kohlenwasserstoffe meistens aus dem Bereich von C9 bis C50; ihr Siedebereich liegt bei 160° bis 600° C. Sie können flüssig oder viskös sein und haben im allgemeinen eine schwarze Farbe mit einem charakteristischen Geruch.
Toxikologie / Gesundheit: Schwere Heizöle besitzen bei Exposition durch Verschlucken, Einatmen oder Hautkontakt keine systemischen toxischen Wirkungen; versehentliches Verschlucken kleiner Mengen kann jedoch vorübergehende gastrointestinale Störungen hervorrufen. Schweres Heizöl ist bei kurzzeitigem Hautkontakt nicht besonders reizend; häufiger und längerer Hautkontakt kann jedoch zu einer Dermatitis führen. Hautkontakt sollte wegen größerer Mengen polyzyklischer aromatischer Verbindungen (PACs) im schweren Heizöl vermieden werden. Spritzer ins Auge können leichte lokale Beschwerden und eine leichte Reizung hervorrufen. Diese Beschwerden sind jedoch meist vorübergehend.
Der niedrige Dampfdruck des schweren Heizöls schließt die Entwicklung größerer Mengen Dampf bei Umgebungstemperatur aus. Der Gebrauch bei höheren Temperaturen kann zur Exposition durch Dämpfe oder Ölnebel führen, die eine Reizung der Augen, der Nase oder der Atemwege bewirken können. Dies sind die einzigen nach Exposition akut auftretenden Wirkungen auf den Menschen. Dennoch sollte jede Exposition durch Ölnebel und -dämpfe vermieden werden, um das Risiko, das mit der Exposition durch karzinogene PACs verbunden ist, zu minimieren. Viele schwere Heizöle enthalten größere Mengen von krebserzeugenden polycyklischen aromatischen Verbindungen.
Schwere Heizöle können gelösten Schwefelwasserstoff enthalten. Die Möglichkeit einer H2S Exposition sollte berücksichtigt werden. Siehe Abschnitt Schwefelwasserstoff (Seite 61).
Exposition beim Menschen: Die häufigsten Expositionsmöglichkeiten durch schwere Heizöle sind Einatmen und/oder Hautkontakt. Die meisten schweren Heizöle sind nicht flüchtig genug, um bei Umgebungstemperatur höhere Nebel- oder Dampfkonzentrationen entstehen zu lassen. Höhere Konzentrationen können jedoch bei höheren Temperaturen entstehen. Ein zufälliges Verschlucken größerer Mengen Heizöls ist unwahrscheinlich.
Expositionsquellen: Direkter Kontakt mit schwerem Heizöl ist normalerweise auf Tätigkeiten im industriellen Bereich beschränkt. Expositionsmöglichkeiten der Haut und der Atemwege bestehen während des Produktumschlages und der Instandhaltung von Anlagen und Tanks. Eine Exposition kann auch aufgrund von Umweltverunreinigung, z.B. durch Verschütten, vorkommen.
Additive: Schweren Heizölen werden normalerweise keine Additive zugefügt, sie können aber für spezielle Anwendungen kleine Mengen an Fließ- und Verbrennungsverbesserern enthalten. Deren Vorhandensein verändert jedoch nicht die toxische Wirkung des Produkts und beeinflußt auch nicht die empfohlenen Behandlungsmaßnahmen.
INFORMATION FÜR DEN ARZT
Eine spezifische Therapie ist nicht erforderlich. Eine Behandlung durch unterstützende Maßnahmen ist ausreichend.
HOCHDRUCKINJEKTION / PERKUTANE INJEKTION DURCH HOCHDRUCKGERÄTE
INFORMATION FÜR DEN ARZT
Technischer Hintergrund: Hochdrucksysteme wie Kraftstoffeinspritzsysteme, Fettpressen oder Hydraulikölsysteme sind in der Lage, Mineralölprodukte mit Drücken von 600 bis 12000 psi (entspricht 40 bis 800 bar) freizusetzen. Diese Drücke reichen aus, Handschuhe und Kleidung zu durchdringen.
Pathogenese: Der Hochdruckstrahl von Ölprodukten kann durch die Haut ins Unterhautgewebe eindringen und sich ausgedehnt über Faszien und Sehnenscheiden ausbreiten und eine Kompression der Blutgefäße verursachen. Außerdem entwickelt sich eine subcutane Entzündung mit nachfolgender Fibrosierung und Reaktion der regionalen Lymphknoten.
Klinisches Vorkommen: Der Zeigefinger der nicht dominanten Hand ist am häufigsten betroffen. Anfangs kann eine Einspritzverletzung mit nur einer kleinen Stichwunde mit minimaler Schwellung und minimalen Beschwerden unbedeutend erscheinen. Die Beschwerden und die Schwellung verstärken sich jedoch typischerweise innerhalb von ein bis zwei Stunden. Ist ein Finger oder Zeh betroffen, wird dieser taub und blaß. Es entwickelt sich progressiv innerhalb weniger Stunden ein Ödem, und die Schmerzen werden stärker. Die Symptome können aber auch verzögert auftreten, es können zwei Tage vergehen, bis sich Schmerzen und Schwellung einstellen. Schließlich kann auch eine Infektion dazukommen. Eine Hochdruckinjektion von Ölprodukten durch die Haut hat jedoch keine systemische toxische Wirkung.
Diagnose: Eine Röntgenuntersuchung des betroffenen Bereiches kann die Größe der Ausbreitung um die Injektionsstelle feststellen und zur Beurteilung des Ausmaßes der benötigten Operation hilfreich sein.
Behandlung: Die Kenntnis der Zusammensetzung des injizierten Ölprodukts ist nicht erforderlich, da es die Notfallbehandlung und die weiterführende Behandlung nicht beeinflußt. Die primäre Behandlung beinhaltet eine operative Dekompression und ein Debridement. Durch eine frühe und aggressive Behandlung können zufriedenstellende Resultate erzielt werden. Viele Autoren betonen die Notwendigkeit einer schnellen Überweisung des Patienten an eine Notfallabteilung mit einem kompetenten orthopädischen oder plastischen Chirurgen: die Zeitspanne zwischen Verletzung und Therapie gilt als der wichtigste Faktor für den Behandlungserfolg (Flotre).
Flotre empfiehlt folgende Behandlung:
Synonyme: Schneidöle, Kühlschmiermittel, wasserlösliche Kühlschmiermittel.
Beschreibung: Metallbearbeitungsflüssigkeiten bestehen meist aus Grundölen (reine Öle) oder einer Mischung von Schmierölen mit Wasser und Emulgatoren (sog. wassermischbare Öle). Die wassermischbaren Metallbearbeitungsöle (Schneidöle) enthalten auch Biozide und Antioxidantien. Einige Metallbearbeitungsflüssigkeiten sind synthetische Flüssigkeiten, die aus Polyglykolen oder aus wäßrigen Lösungen anderer chemischer Substanzen bestehen.
Toxikologie / Gesundheit: Metallbearbeitungsflüssigkeiten umfassen eine Vielfalt von Produkten. Ihre Zusammensetzung hängt von der Formulierung des Herstellers und vorhandener oder fehlender Wassermischbarkeit ab. Es sind keine akuttoxischen systemischen Wirkungen bekannt. Manche Öle können jedoch bei längerem oder wiederholtem Hautkontakt zu einer Dermatitis führen. Exposition mit hohen Konzentrationen von Ölnebeln oder -dämpfen kann Reizung der Augen, der Nase und der Atemwege verursachen.
Wie bei den Schmierölen und den Kerosinen besteht die potentiell schwerste Gesundheitsgefährdung in der Aspiration selbst kleiner Mengen Öl mit niedriger Viskosität (< 7 cSt bei 40° C) mit nachfolgender Schädigung des Lungengewebes. Eine weitere potentiell ernste Gefahr für die Gesundheit ist die Hochdruckinjektion von Metallbearbeitungsölen unter die Haut; dies kann zu einer erheblichen Schädigung des Unterhautgewebes führen, auch wenn die Haut selbst nur wenig verletzt erscheint.
Exposition beim Menschen: Die häufigste Exposition mit Metallbearbeitungsölen geschieht durch Hautkontakt oder Inhalation (Ölnebel oder Dämpfe). Auch Spritzer ins Auge können vorkommen.
Expositionsquellen: Direkter Kontakt mit Metallbearbeitungsölen kommt nur im Industriebereich vor, da diese Produkte nicht im Einzelhandel vertrieben werden. Exposition im Industriebereich kommen bei der Metallbearbeitung vor, wenn Ölnebel durch schnell rotierende Maschinen entstehen oder - häufiger - durch manuelles Bearbeiten von mit Ölen überzogenen Metallteilen ohne Handschuhe und ausreichenden Hautschutz.
Additive: Metallbearbeitungsöle enthalten oft eine Reihe unterschiedlicher nicht deklarierter Additive, z.B. Antioxidantien, Detergentien, Korrosionsinhibitoren. Einige dieser Substanzen sind akut toxisch; ihre Menge in den Metallbearbeitungsölen ist jedoch relativ klein (üblicherweise unter 10%), so daß es daher unwahrscheinlich ist, daß bei kurzzeitiger Exposition Gesundheitsschäden durch die diese Zusätze entstehen.
INFORMATION FÜR DEN ARZT
Beim (unwahrscheinlichen)
Verschlucken von Metallbearbeitungsölen ist eine spezifische Therapie
nicht erforderlich. Eine Behandlung kann durch unterstützende Maßnahmen
erfolgen.
Synonyme: Leuchtenöl, Petroleum, Kerosin, Paraffinöl, flüssiges Paraffin, Grillanzünder, Flugturbi-nentreibstoff; Jet Fuel, barbecue lighter fuel.
Beschreibung: Kerosine
sind farblose bis gelbliche, entzündliche Flüssigkeiten mit geringer
Viskosität, die aus C9 bis C16 Kohlenwasserstoffen
bestehen und deren Zusammensetzung von der Herkunft des Rohöls und
den Verarbeitungsbedingungen abhängen. Der typische Siedebereich beträgt
145° bis 300° C. Kerosine werden hauptsächlich als Kraftstoff
für Turbinentriebwerke benutzt. Sie werden außerdem als Lampenöle
und Grillanzünder verwendet.
Kerosine werden auch als
Lösemittel in vielen Produkten benutzt: z.B. in Reinigungsmitteln,
Insektiziden, Antischaummitteln, Formenölen.
Toxikologie / Gesundheit:
Toxizitätsdaten
zeigen eine nur geringe akute orale, dermale oder inhalative Toxizität.
Die an Tieren nach sehr hohen Dosen beobachteten Symptome (verringerte
Aktivität, Ataxie und Erschöpfung) weisen auf eine Beeinträchtigung
des Zentralen Nervensystems hin.
Einige Kerosine können
bei kurzzeitiger Exposition Hautreizungen und leichte Bindehautreizungen
des Auges hervorrufen. Eine große Gefahr ist die Aspiration beim
Verschlucken von Lampenöl, insbesondere durch Kinder; hier kommt es
zu der lebensbedrohlichen Pneumonitis (chemische Lungenentzündung).
Bei Kindern kann schon das Saugen oder Lutschen am Docht einer Öllampe
zu einer Aspiration führen. (Siehe auch Aspiration auf Seite 23).
Eine weitere potentiell ernste Gefahr ist eine Hochdruckinjektion unter
die Haut. Diese kann das subcutane Gewebe erheblich schädigen, auch
wenn die Hautoberfläche nur minimal verletzt ist (Siehe auch Informationen
über Hochdruckinjektionen auf Seite 35).
Exposition beim Menschen: Bei normalem Gebrauch ist Hautkontakt die häufigste Expositionsquelle. Wegen des geringen Dampfdruckes bei Umgebungstemperatur besteht bei normalem Umgang kein bedeutendes Expositionsrisiko durch Dämpfe.
Expositionsquellen: Hautexpositionen treten am ehesten im industriellen oder im Hobbybereich auf, wenn Kerosine als Lösemittel verwendet werden. Durch Versprühen kerosinhaltiger Produkte kann es in geschlossenen Räumen zu hohen Konzentrationen von Kerosinnebeln kommen. Der Gebrauch in geschlossenen Räumen bei höheren Temperaturen kann zu hohen Konzentrationen von Kerosindämpfen führen. Im Haushalt ist versehentliches Verschlucken mit Aspiration die größte Gefahr, insbesondere bei Kindern. Lampenöle sind häufig in auffallenden Farben und parfümiert im Handel. Dadurch können Kinder Lampenöle mit Getränken verwechseln.
INFORMATION FÜR DEN ARZT
Paraffinum liquidum oder Kohle reduzieren die Resorption im Verdauungstrakt. Eine Magenspülung sollte wegen der Gefahr einer Aspiration mit nachfolgender Pneumonitis erst nach einer endotrachealen Intubation durchgeführt werden.
Kerosine können Haut und Augen reizen. Häufiger oder längerer Hautkontakt kann die natürlichen schützenden Fette der Haut entfernen und eine Reizung und Dermatitis verursachen.
Quellen:
CONCAWE (1994) Kerosines/jet
fuel. Product Dossier No. 94/106. Brussels: CONCAWE
Synonyme: Keine, aber unterschiedliche Produktnamen, die auf den Gebrauch hinweisen.
Beschreibung: Dünnflüssig, kann gefärbt sein und einen typischen Geruch haben. Scheibenwaschmittel sind wäßrige Lösungen von Isopropanol und - in Deutschland praktisch nicht mehr vorhanden - Ethylenglykol oder Methanol und enthalten Detergentien.
Toxikologie / Gesundheit:
Die
toxikologisch wichtigen Inhaltsstoffe sind - sofern vorhanden - Ethylenglykol
und Methanol, weniger Isopropanol. Ethylenglykol ist toxisch beim Verschlucken,
bei Inhalation und durch Hautresorption. Seine Wirkungen auf das zentrale
Nervensystem sind denen des Äthylalkohols vergleichbar: einer zunächst
erregenden Wirkung folgt eine hemmende Wirkung. Inhalation von Ethylenglykoldämpfen
oder -nebel reizt die Atemwege (Atemnot, Husten, Brennen in der Brust oder
sogar Lungenödem).
Verschlucken kann spastische
Bewegungen der Augäpfel, Benommenheit, Bauchschmerzen, Atemstillstand,
Herz-Kreislaufversagen, Koma oder Nierenversagen mit Urämie zur Folge
haben. Hautresorption trägt zur systemischen Vergiftung bei. Es wird
in der Literatur über Menschen berichtet, die 75 - 100 ml Ethylenglykol
tranken und trotz guter notärztlicher Versorgung drei bis 17 Tage
später an Nierenversagen starben.
Scheibenwaschmittel kann auch - in Deutschland jedoch sehr selten - Methanol enthalten; nach Verschlucken besteht die Gefahr der Erblindung durch Schädigung des Sehnerven. Isopropanol kann bei Aufnahme größerer Mengen zum Koma führen; die Therapie entspricht derjenigen der akuten Äthylalkoholvergiftung. Die Behandlung von Vergiftungen mit Ethylenglykol ist auch wirksam bei Vergiftungen mit Produkten, die größere Mengen Methanol oder Isopropanol enthalten.
Exposition beim Menschen: Bei normalem Umgang besteht ein geringes Risiko, Spritzer auf die Haut zu bekommen. Eine weit größere Gesundheitsgefährdung ist jedoch das versehentliche Verschlucken.
Expositionsquellen: Die Hauptgefahr liegt in der Verwahrung der Flüssigkeit in ungenügend oder gar nicht gekennzeichneten Behältern oder Flaschen im häuslichen Bereich, was häufig zum Verschlucken der Flüssigkeit durch Kinder führt.
Exposition kann auch durch Spritzer auf die Haut beim Nachfüllen des Behälters oder bei Wartungsarbeiten stattfinden. Kleine Mengen sind jedoch kein toxikologisches Problem.
INFORMATION FÜR DEN ARZT
Nieren-, Herz,- Atmungs- und ZNS - Funktionen müssen sorgfältig überwacht werden. Der Ausfall von Oxalaten kann durch forcierte Diurese vermieden werden. Eine metabolische Azidose muß ausgeglichen werden. Verzögerte, d.h. nach 12 bis 24 Stunden auftretende cardiopulmonale Probleme wie Tachypnoe, Zyanose, Hypertonus oder Herzversagen mit Lungenödem sind möglich. Untersuchung des Urins auf Oxalsäure, ein metabolisches Abbauprodukt des Ethylenglykols, kann zur Diagnose einer Vergiftung durch Verschlucken benutzt werden. Äthanolgabe kann die Bildung von toxischen Metaboliten verhindern.
Quellen:
Goulding, R. (1983) Poisoning
(Pocket Guide). Blackwell Scientific Publisher
Synonyme: Stauffer-Fett, Kettenfett, Kugellagerfett, Wagenfett.
Beschreibung: Fette werden durch Andicken von Schmierölen mit Seifen, Tonerde oder Kieselsäure hergestellt. Die Seifen sind typischerweise Stearatsalze oder Hydroxystearatsalze von Lithium, Calcium, Kalium oder Natrium. Zusätzlich können Antioxidantien, Korrosionsinhibitoren etc. bis zu einer Gesamtmenge von ungefähr 5% vorhanden sein.
Toxikologie / Gesundheit: Die Fette haben bei Verschlucken keine systemische toxische Wirkung; es kann bei kleinen Mengen zu vorübergehenden gastrointestinalen Reizungen kommen. Hautkontakt kann Reizungen verursachen; im Falle eines wiederholten oder längerdauernden Kontaktes kann eine chronische Dermatitis entstehen. Kontakt des Fettes mit der Bindehaut oder Hornhaut des Auges kann zu einer leichten Reizung führen, verursacht aber keine länger dauernden Beschwerden. Exposition mit Nebel oder Dämpfen ist sehr unwahrscheinlich.
Exposition beim Menschen: Normalerweise nur Hautkontakt. Als gesundheitliche Gefährdung kann das Eindringen von Fetten unter die Haut beim Arbeiten mit Hochdruckgeräten vorkommen (siehe auch Information auf Seite 35).
Expositionsquellen: Exposition mit Fetten kann im industriellen, aber auch im privaten Bereich vorkommen. Im letzteren ist eine Exposition selten und wenn, dann nur mit geringen Mengen. Im industriellen Bereich und bei Freisetzung durch Unfälle kann es zur Exposition mit größeren Mengen kommen.
Additive: Fette enthalten oft verschiedene, nicht deklarierte Additive, z.B. Antioxidantien, Detergentien, Korrosionsinhibitoren. Einige dieser Zusätze können zwar akut toxisch sein, ihre Menge in den Fetten ist jedoch relativ klein (typischerweise unter 10%): es ist daher unwahrscheinlich, daß die in den Fetten vorhandenen Menge an Additiven ausreicht, um bei Exposition akute Gesundheitsschäden zu verursachen.
INFORMATION FÜR DEN ARZT
Beim Verschlucken von Fetten
ist eine spezifische Therapie nicht erforderlich. Eine Behandlung kann
durch unterstützende Maßnahmen erfolgen.
Synonyme: Maschinenöl, Mineralöl, Getriebeöl; Motorenöl und diverse andere.
Beschreibung: Schmieröl oder Schmiermittel ist ein allgemeiner Ausdruck zur Beschreibung von Flüssigkeit oder halbfesten Stoffen, die zur Minimierung der Reibung zwischen beweglichen Teilen dienen. Die Farbe der Schmieröle variiert von farblos über bernsteinfarben bis schwarz; manchmal enthalten sie aus kommerziellen Gründen oder wegen gesetzlicher Vorschriften Farbstoffe. Schmieröle bestehen normalerweise aus Kohlenwasserstoffen mit einer C-Zahl von über 15, können aus Mineralöl oder auch synthetisch hergestellt sein und enthalten chemische Zusatzstoffe (Additive), um technische Eigenschaften zu verbessern. Die Menge dieser Additive kann je nach Anwendungszweck vom ppm-Bereich bis zu 20% des Schmieröls variieren.
Toxikologie / Gesundheit: Schmieröle umfassen eine große Spanne unterschiedlicher Produkte, deren Zusammensetzungen je nach Lieferant und Anwendungszweck variieren.
Bei Verschlucken, Einatmen
oder Hautkontakt besteht keine systemische toxische Wirkung; die Grundöle
haben eine geringe akute Toxizität, und die Additive sind nur in so
geringen Mengen vorhanden, daß sie bei kurzzeitiger Exposition mit
Schmieröl ebenfalls keine systemische toxische Wirkung haben. Verschlucken
kleiner Mengen Schmieröl kann vorübergehende gastrointestinale
Beschwerden verursachen. Hautkontakt kann in einigen Fällen Reizung
verursachen, und bei häufigem oder langanhaltendem Kontakt kann eine
Dermatitis entstehen. Kontakt mit der Bindehaut oder der Hornhaut des Auges
kann zu Reizung und Beschwerden führen. Im allgemeinen sind diese
Beschwerden vorübergehend, ein bleibender Schaden ist nicht zu befürchten.
Exposition mit einer hohen Konzentration von Ölnebel oder Dämpfen
kann Reizungen der Augen, der Nase und der Atemwege bewirken.
Die wichtigste potentielle
Gesundheitsgefährdung besteht in der Möglichkeit einer schweren,
potentiell tödlichen Schädigung des Lungengewebes infolge Aspiration
auch nur kleiner Mengen Schmieröl geringer Viskosität (kleiner
7 cSt bei 40o C). Eine weitere potentiell ernste Gefahr für
die Gesundheit ist die Hochdruckinjektion von Schmieröl unter die
Haut; dies kann zu einer erheblichen Schädigung des subcutanen Gewebes
führen, auch wenn die Haut selbst nur wenig verletzt erscheint.
Exposition beim Menschen: Häufigste Expositionen sind Hautkontakt und Inhalation. Obwohl die meisten Schmieröle nicht genügend flüchtig sind, um signifikante Konzentrationen von Ölnebel- oder Dämpfen bei Umgebungstemperatur zu bilden, können höhere Konzentrationen in der Luft bei erhöhten Temperaturen oder durch schnell drehende Maschinen entstehen. Verschlucken von Schmierölen ist unwahrscheinlich; sollte es dennoch passieren, besteht die größte Gefährdung in der Aspiration gering visköser Schmieröle.
Expositionsquellen: Eine Exposition mit Schmierölen kann im industriellen wie auch im privaten Bereich vorkommen. Im privaten Bereich sind die Mengen meist klein (d.h. unter 5 Liter). Hautkontakt und möglicherweise Inhalation sowie Verschlucken kleiner Mengen können beim Handhaben dieser Mengen vorkommen. Im Industriebereich und infolge von Verschütten sind jedoch Expositionen mit größeren Mengen möglich.
Additive: Schmiermittel enthalten oft verschiedene nicht deklarierte Additive, z.B. Antioxidantien, Detergentien, Korrosionsinhibitoren. Einige dieser Zusätze sind akut toxisch, ihre Menge ist in den Schmiermitteln jedoch relativ klein (typischerweise unter 15% insgesamt): es ist daher unwahrscheinlich, daß bei kurzzeitiger Exposition Gesundheitsschäden durch die Zusätze entstehen.
INFORMATION FÜR DEN ARZT
Beim Verschlucken von Schmierölen ist eine spezifische Therapie im Hinblick auf die sehr geringe Toxizität der Grundöle und der anderen Komponenten nicht erforderlich. Eine Behandlung kann durch unterstützende Maßnahmen erfolgen.
Synonyme: H2S, Sauergas, Sulphuretted Hydrogen
Beschreibung: Schwefelwasserstoff ist ein farbloses, giftiges, erstickendes Gas, das leicht wasserlöslich ist und - ausgeprägt bei 0,3 ppm - einen charakteristischen und unangenehmen Geruch von faulen Eiern hat. Dieses Gas kommt in der Natur vor und entsteht während vieler industrieller Prozesse, wie z.B. beim Raffinieren von Öl. Viele Rohöle enthalten bedeutende Mengen an H2S; es kann auch durch Bakterien im Rohöl und in Petroleumprodukten während der Lagerung entstehen.
Toxikologie / Gesundheit: Die akute Vergiftungsgefahr durch Schwefelwasserstoff ist dadurch besonders hoch, weil sich bei Konzentrationen über 20 - 30 ppm durch Lähmung des Geruchsinnes die Wahrnehmung des Geruchs rapide verschlechtert: der Geruchssinn fällt daher als Warnhinweis aus. Bei Exposition besteht eine hohe akute Gefährdung, H2S ist jedoch kein kumulatives Gift; es wird relativ schnell metabolisiert.
Die hauptsächlichen Gefahren sind:
Ab einer Konzentration von > 100 ppm werden die Schleimhäute der Augen, Nase und des Rachens stark gereizt. 150 ppm lösen bei Einatmung über ca. 30 Minuten Kopfschmerzen und Schwindel aus.
Wird der Verunglückte nach einer kurzen Exposition schnell an die frische Luft gebracht, kommt es rasch zur Erholung, weil das Gas schnell metabolisiert wird.
Ab einer Konzentration von
500 ppm über eine halbe Stunde können Ersticken und Tod auftreten,
700 - 900 ppm führen
schnell zu Bewußtlosigkeit,
1000 - 2000 ppm sind sofort
tödlich (Atemlähmung).
Schwefelwasserstoff ist
schwerer als Luft und sinkt daher in geschlossenen Räumen auf den
Boden.
Exposition beim Menschen: Der Hauptaufnahmeweg für eine Exposition ist die Inhalation.
Expositionsquellen: Schwefelwasserstoff kann sich im Gasraum von Tanks über dem Produkt (z.B. Rohöl-, Bitumen- oder Heizöltanks), am Boden geschlossener Räume oder in Anlagenteilen in Raffinerien ansammeln. Raffineriemitarbeiter oder in der Raffinerie beschäftigte Kontraktoren können so dem Schwefelwasserstoff unbeabsichtigt während Wartungs- oder Überholungsarbeiten ausgesetzt werden.
INFORMATION FÜR DEN ARZT
Schon geringe Konzentrationen des Gases lähmen schnell den Geruchsinn, so daß dieser Warnhinweis rasch verloren gehen kann. Schwefelwasserstoff verursacht Reizung der Schleimhäute der Atemwege und schließlich Erstickung (siehe oben Toxikologie / Gesundheit); es ist bei akuter Exposition sehr giftig , kumuliert aber im menschlichen Körper nicht (Goulding, 1983). Bei Vergiftung rechtzeitige Intubation und Beatmung.
Hinweis D: In Deutschland
ist das Antidot 4-DMAP (Dimethylaminophenol) zur Anwendung bei H2S
Vergiftungen zugelassen: sofort 3 mg pro kg Körpergewicht i.v. injizieren.
Bei toxischem Lungennödem neben der lokalen Gabe von Dexamethason
Spray auch Prednisolon i.v. geben.
Merklatt M041 Schwefelwasserstoff
der BG der chemischen Industrie
Quellen:
Goulding, R. (1983) Poisoning
(Pocket Guide). Blackwell Scientific Publisher
IPCS/WHO (1981) Environmental
health criteria 19: Hydrogen sulfide. Geneva: WHO
Merklatt M041 Schwefelwasserstoff
der BG der chemischen Industrie
Synonyme: Thermische Verletzungen.
Beschreibung: Verbrennungen entstehen, wenn heiße Flüssigkeiten oder Dampf (Verbrühungen), heiße Gegenstände (Kontaktverbrennungen), heiße Luft (Versengen) oder Flammen (Verbrennungen) zur Beschädigung oder Zerstörung einiger oder aller Hautschichten, in schweren Fällen auch tiefergelegener Gewebe oder Organe, führen. Hautverletzungen durch nicht ionisierende (ultraviolette ) Strahlen oder ionisierende (Röntgen oder Gamma-) Strahlen, Elektrizität und Chemikalien (Säuren, Laugen), wie auch Verletzungen des Atemtraktes durch Inhalation von Rauch, werden aus Praktikabilitätsgründen als Verbrennungs-/Brandverletzungen angesehen. Eine Verbrennung kann auch als pathologischer Prozeß, bedingt durch Transfer thermischer Energie einer heißen Quelle auf eine mehr oder weniger große Körperoberfläche einer Person, beschrieben werden. Unterschiedliche Verbrennungsursachen führen zu den gleichen Läsionen.
Klassifizierung:
- Verbrennung zweiten Grades (oberflächlich): schmerzhafte
Rötung, darunter liegende Gewebe blassen
auf Druck ab, Basalmembran teilweise zerstört, Abheilung innerhalb
10 - 15 Tagen.
- Verbrennung zweiten Grades (tief): Rötung, Blasen, darunterliegendes
Gewebe blaßt auf Druck nicht ab,
Basalmembran total zerstört, Dermis teilweise zerstört, um die
Haarfollikel noch Epidermisreste,
unzulängliche Heilung in 3 - 4 Wochen, evtl. Hauttransplantationen
notwendig.
- Verbrennung dritten Grades: braun, schwarz, weiß, keine
Blasen, Sensibilitätsverlust, Epidermis und Dermis
vollkommen zerstört, Unterhautfettgewebe zerstört, in sehr schweren
Fällen mit Beteiligung tieferer Gewebe
und Organe. Heilt nicht spontan ab, ausgenommen von Wundrändern. Hauttransplantation
erforderlich.
Kompliktionen:
Flüssigkeitsverlust
Der Flüssigkeitsverlust muß möglichst schnell durch intravenöse Gaben (Ringer) ausgeglichen werden. Über eine Krankenhauseinweisung, eventuell Spezialklinik mit "Verbrennungsbetten", muß rasch entschieden werden. Eine Volumensubstitution sollte stets vor der Krankenhauseinweisung eingeleitet und während des Transportes fortgesetzt werden.
- Patienten mit tiefen
Verbrennungen ( zweiten Grades ( tief ) oder dritten Grades) oder Verbrennungen
mit mehr als
10% der Körperoberfläche;
- Vorliegen einer zusätzlichen
Verletzung, z.B. Frakturen oder größere Wunden;
- erschwertes oder verhindertes
Anlegen von Verbänden (z.B. Verbrennung des Perineums);
- ambulante Behandlung wegen
sozialer oder gesundheitlicher Bedingungen nicht möglich,
- bei Rauchinhalation und
Vorliegen nachfolgender Umstände: Verbrennungen des Gesichtes, Ruß
innerhalb der Nase
oder im Sputum,
Stridor;
- bei Bränden in geschlossenen
Räumen.
Einschätzung des Schweregrades der Verbrennungen durch Schätzung der geschädigten Oberfläche
Je tiefer die Hautverbrennung und je größer der zerstörte Bereich ist, um so schwerer ist die Verbrennung. Die Folgen (Tod, Entstellungen) hängen von dem Ausmaß der Verletzungen ab.
Die Größe der Hautschädigung kann abgeschätzt werden durch
- mit Hilfe der "Neuner Regel":
Kopf + Nacken = 9%
Vorderseite
des Stammes = 18%
Rückseite des
Stammes = 18%
jeder Arm = 9%
jedes Bein = 18%
Perineum = 1%
- oder exakter mit Hilfe
der Lund-Browder chart-Methode, welche die Altersabhängigkeit
der Körperproportionen
berücksichtigt:
LUND-BROWDER TABELLE
Relative prozentuale Angabe der Körperoberfläche
in Abhängigkeit vom Alter
|
Jahren |
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|
|
|
|
|
| A - Kopf (Vorder- oder Rückseite) |
|
|
|
|
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|
| B
- 1 Ober-
schenkel (Vorder- oder Rückseite) |
|
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|
|
| C - 1 Unterschenkel (Vorder- oder Rückseite) |
|
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|
|
B
Barbecue lighter
fuel.
Benzin
Bitumen
Black oil
Bremsflüssigkeit
Butan
D
Diesel
Dieselkraftstoff
Dieselöl
DK
F
Flugbenzin
Flugturbinentreibstoff
Flüssiges
Paraffin
Flüssiggas
Frostschutzmittel
G
Gasöl
Gasolin
Getriebeöl
Grillanzünder
H
H2S
Heavy fuel oil
Heizöl
EL
Heizöl S
Hochdruckinjektion
J
Jet Fuel
K
Kerosin
Kettenfett
Kugellagerfett
Kühlschmiermittel
Kühlschmierstoffe
Kupplungsflüssigkeit
L
Lampenöl
Leuchtenöl
Light fuel oil
Liquified Petroleum
Gas
LPG
M
Marine
Dieselöl
marine fuel oil
Marineheizöl
Maschinenöl
Maschinenölextrakte
medium fuel oil
Metallbearbeitungsöle
Mineralöl
MOGAS
Motor gasoline
Motor spirit
Motorenöl
P
Paraffinöl
Perkutane
Injektion durch Hochdruckgeräte
Petrol
Petroleum
premium unleaded
Propan
Prozeßöle
S
Sauergas
Sauerwasser
Scheibenwaschmittel
Schmierfett
Schmieröl
Schneidöle
Schwefelwasserstoff
Schweres Heizöl
Solventextrakte
Stauffer-Fett
Super Benzin
Super Benzin plus
Super unleaded